Imlil, Kasbah du Toubkal, Unterkünfte
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Kasbah du Toubkal – Komfort und Tradition in atemberaubender Natur

Wir sind bereits seit einigen Tagen im Tal von Imlil zu Gast und haben eine wunderbare Zeit bei Lahcen und seiner Familie in einem Homestay verbracht (mehr dazu hier), als wir uns auf den Weg zu jenem Ort machen, dessen Besuch der ursprüngliche Grund für unsere Reise ins Tal war – der Kasbah du Toubkal.

Normalerweise werden Ankömmlinge im Hauptort in einem kleinen Büro willkommen geheißen und von dort zur Kasbah geführt. Der Anstieg ist recht steil und für untrainierte Personen im Sommer ziemlich anstrengend- aber er lohnt. Zudem gibt es Maultiere, die zum Transport des Gepäcks eingesetzt werden, sodass im Grunde nur das eigene Körpergewicht bergauf bewegt werden muss.

Wir brechen an diesem Morgen auf von einem der kleinen Dörfer im Tal, die über dem Hauptort thronen. Ich habe mich entschlossen unseren Koffer im Homestay zurückzulassen und nur das Nötigste für mich und Felicia mitzunehmen. Felicia wird für den Weg abermals in der Kraxe auf meinen Rücken festgeschnallt und so machen wir uns mit sehr kleinem Gepäck auf den Weg. An diesem Tag werden wir begleitet von einem jungen Mann aus dem Dorf, den Lahcen für uns organisiert hat.

Unser Begleiter geht zunächst optimistisch in einer Geschwindigkeit und Leichtigkeit voraus, die mich nicht nur deprimiert angesichts meiner eigenen behutsamen Schritte zurücklässt, sondern mich zeitweise auch fürchten lässt, dass er uns enteilen könnte. Die Verständigung ist auch nur eingeschränkt möglich, da er weder Englisch noch Französisch versteht und mein Arabisch sich bislang auf eine sehr überschaubare Anzahl von Worten beschränkt, die in diesem Augenblick allesamt nicht wirklich passen. Sodann erkennt unser Begleiter jedoch, dass ich mit dem Kind auf dem Rücken nicht so schnell voran komme wie er und auch manchem Abschnitt des Weges nicht so recht traue, und wartet geduldig, bis ich angelangt bin. Als der Weg zur Kletterpartie wird, reicht er mir die Hand. Ob uns das wirklich im Falle eines Falles vor einem Sturz bewahrt hätte, weiß ich nicht, aber es gibt mir Zuversicht und wir kommen gut voran. Meine Trekkingsandalen zahlen sich insoweit aus, als ich zwischenzeitlich immer wieder mit den Füßen im Wasser stehe, um kleine Bachläufe zu durchqueren. Zu meiner Verteidigung kann ich noch anführen, dass die letzten Tage mit der Kraxe auf dem Rücken an diesem nicht spurlos vorbeigegangen sind.

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Und dann kommen wir an. Ich bin völlig fertig aber glücklich, das Ziel erreicht zu haben. Wir werden sehr herzlich begrüßt und zunächst mit dem von mir geliebten Minztee verwöhnt. Langsam komme ich wieder zu Atem und bin sofort begeistert, von der Atmosphäre der Kasbah, die Ruhe und Harmonie ausstrahlt.

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Als wir das Hauptgebäude verlassen, um uns auf den Weg zu unserem Zimmer zu machen, durchqueren wir eine Gartenanlage, von der ich mir wünschen würde, sie in ähnlicher Art öfter anzutreffen. Wild, romantisch und wuchernd aber mit Stil. Ein Ort zum Durchatmen, der Lust macht, dort zu verweilen. Ringsum die gigantischen – und auch nach Tagen noch immer so eindrucksvollen -Berge des Hohen Atlas. Katzen durchstreifen das Gelände und werden von Felicia sogleich mit Begeisterung begrüßt.

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Neben der Treppe, die hinab zum Gartenhaus führt, in dem sich unsere Unterkunft befindet, kann frisches Quellwasser gezapft und getrunken werden.

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Wir werden die Treppe hinabgeleitet und stehen sodann in unserem Zimmer, das sich als Juniorsuite auf zwei Etagen entpuppt.

Im oberen Bereich befinden sich ein Berbersalon und eine kleine Terrasse, die einen wunderbaren Blick in die uns umgebende Natur freigibt. Man kann draußen an der frischen Luft sitzen, hat aber auch die Möglichkeit im angrenzenden Innenbereich Platz zu nehmen und das Panorama zu genießen.

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Nachdem wir die Treppen nach unten gestiegen sind, finden wir uns im großzügigen Schlafzimmer wieder, das neben einem großen und sehr bequemen Bett einen Schreibtisch und weitere Sitzgelegenheiten bereithält. Lederne Hausschuhe stehen für uns bereit und ich ziehe auch sogleich  ein Paar an. Auf einem Garderobenständer hängt traditionelle Kleidung für Damen und Herren, die dazu einlädt, hineinzuschlüpfen und sich noch mehr eins zu fühlen mit der Anlage und ihrer Umgebung.

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Das Bad lässt keine Wünsche offen und besonders die große Badewanne hat es mir angetan. Da mein Rücken noch immer schmerzt und ein Bad nach den Strapazen unseres Anmarsches nichts schaden kann, beschließe ich, diese sogleich auch zu testen. Durch das geöffnete Fenster höre ich die Vögel zwitschern, als ich dankbar meinen, solche Touren nicht gewohnten, Körper im Badeschaum verschwinden lasse und einfach nur den Moment genieße. Felicia hat nach einer ausgiebigen Inspektion des Schlafzimmers auch im Badezimmer ein Plätzchen für sich gefunden und scheint rundum zufrieden.

Frisch gebadet und umgezogen machen wir uns dann auf, um das Gelände zu erkunden. 1.820 m hoch liegt die Kasbah und ist doch umgeben, von noch viel höheren Bergen, allen voran der Djebel Toubkal, der höchste Berg Nordafrikas. Wir haben die Flaschen aus unserer Suite mitgenommen und füllen diese mit Quellwasser, das mir und Felicia gleichermaßen gut schmeckt. Im Haupthaus finden wir allerlei Informationen über die Kasbah du Toubkal und ihre Geschichte. In einer dreiteiligen Bildbandserie kann man Schritt für Schritt die Geschichte nacherleben und auch nachvollziehen, was die nunmehrigen Besitzer seit dem Kauf des Geländes aufgebaut haben. Zudem findet man überall Photos aus vergangenen Zeiten, die ebenfalls Einblick geben in die Geschichte der Kasbah.

Die Kasbah wurde in den 40er Jahren als Sommerresidenz für Caid Souktani, der damals in der Gegend das Sagen hatte, gebaut, aber 1956 von diesem wieder aufgegeben.

Mike McHugo, dessen Unternehmen Discover Ltd. die Kasbah heute gehört, kam in den 70er Jahren nach Imlil und war begeistert von dem Ort und kehrte danach viele Male zurück. 1989 kaufte er schließlich gemeinsam mit seinem Bruder Chris McHugo für die gemeinsame Firma Discover  das Anwesen, das zwischenzeitlich beinahe nur noch eine Ruine war. Mit großem Engagement, dem Glauben an das Projekt und mithilfe der lokalen Bevölkerung wurde die Kasbah unter Einsatz traditioneller Mittel Stück für Stück wieder aufgebaut. Es war noch ein weiter Weg bis zu dem wunderbaren Bergresort, das die Gäste der Kasbah heute vorfinden, als das Anwesen bereits in den späteren 90er Jahren als Drehort für Martin Scorceses Film Kundun genutzt wurde. Damals wie heute ist die lokale Berberbevölkerung in die Bewirtschaftung und Erhaltung der Kasbah intensiv eingebunden. Wer mehr über die Geschichte der Kasbah erfahren will, findet hier eine umfassende und bebilderte Zusammenfassung.

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Neugierig steigen wir die Treppen zur Dachterrasse des Hauptgebäudes herauf und haben einen noch eindrucksvolleren Ausblick auf die uns umgebenden Berge. Wir haben an diesem Tag die Terrasse für uns und sind gefühlt allein inmitten der Bergwelt. Felicia rennt aufgeregt von einer Ecke der Terrasse zur anderen und zeigt abwechselnd auf den nunmehr unter uns liegenden Garten und die Berge ringsum.

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Zurück in unserer Suite bedeutet mir Felicia unmissverständlich, dass ich das Radio im Salon anstellen soll. Zu arabischen Klängen hüpft sie sogleich durch den Salon und macht sich über die Nüsse her, die auf dem Tisch für uns bereitstehen.

Bevor wir zum Abendessen gehen, nehmen wir noch einmal auf unserer Terrasse Platz und genießen die Ruhe und den Blick in die Natur.

Als wir dann zum Essen gehen, waschen wir uns zunächst auf traditionelle Weise die Hände, bevor wir an unseren Tisch geführt werden. Bei Kerzenlicht  schmeckt es uns  hervorragend. Wieder einmal merke ich, dass die Bergluft uns nicht nur wunderbar schlafen lässt, sondern auch dem Appetit sehr zuträglich ist.

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Wir gehen an diesem Tag früh zu Bett, erfüllt mit vielen neuen Eindrücken und Bildern. Vor dem Schlafen nehmen wir noch einen Schluck des schmackhaften Quellwassers und sinken schnell in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen trete ich als erstes hinaus auf unsere Terrasse und bin nahezu frei von Rückenschmerzen. Ich freue mich auf ein leckeres Frühstück, zu dem wir dann auch gleich aufbrechen. Meine Erwartungen werden nicht enttäuscht. Wir bekommen ein Frühstück, das keine Wünsche offen lässt und sind uns aber einig, dass der frische Orangensaft unser persönliches Highlight ist. Da passt Felicia sehr genau auf, dass sie nicht zu kurz kommt.

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Nach dem Frühstück steigen wir noch einmal auf die Dachterrasse und ich versuche, den sich mir bietenden Anblick zu verinnerlichen. Die Technik der Fotografie ist zwischenzeitlich weit vorangeschritten und doch kommt das Abbild eben nicht an das Original heran.

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Von dort oben blicke ich auf die Anlage und stelle noch einmal fest, dass hier alles stimmig und harmonisch ist.

Am späten Vormittag heißt es für uns Abschied nehmen von der Kasbah und hinabzusteigen in den Hauptort, wo ich mit unserem Taxifahrer verabredet bin, der uns zurück nach Marrakesch fahren wird.

Als ich schließlich mit Felicia in das Auto steige, wird mir noch einmal bewusst, wie schön unsere Tage im Tal von Imlil waren und welche großartigen Eindrücke wir genießen durften.

Die Kasbah du Toubkal ist ein Ort, an dem sich Luxus mit Tradition und Natur verbindet. Der Service ist sehr persönlich ohne zu irgendeinem Zeitpunkt aufdringlich zu wirken. Für Sonderwünsche ist das Team jederzeit ansprechbar.

Den Gästen stehen 12 Zimmer verschiedener Kategorien zur Verfügung (Preise ab 160 Euro). Im Gartenhaus gibt es zudem zwei Suiten (Juniorsuite 340 Euro und Apartment Suite 440 Euro). Außerdem werden ein kleiner (130 Euro) und zwei größere Berbersalons (160 Euro) als Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Vorgesehen ist ein Mindestaufenthalt von zwei Nächten – Ausnahmen werden aber je nach Buchungslage gemacht. Ein Babybett ist kostenfrei erhältlich.

Das Frühstück ist im Zimmerpreis enthalten, das Mittagessen (15 Euro) und das Abendessen (20 Euro) können hinzugebucht werden. Wer alkoholische Getränke zu sich nehmen möchte, darf diese selbst mitbringen. Vor Ort wird kein Alkohol ausgeschenkt. Tee und Kaffee werden auf Anfrage kostenlos gereicht.

Auf alle Preise wird ein Zuschlag von 5 % erhoben, der der Projekten vor Ort (z.B. aus dem Bildungs- oder Gesundheitsbereich) zugutekommt.

Das Team ist bei der Organisation vor kleineren Spaziergängen bis hin zu großen Trekkingtouren behilflich. Zweimal am Tag werden auch kostenlose kleine Touren angeboten.

Ein Besuch der Kasbah du Toubkal ist ein nicht ganz günstiges, aber unvergessliches Erlebnis. Wir haben unseren Aufenthalt sehr genossen.

Offenlegung: Wir waren auf Einladung eine Nacht Gäste der Kasbah du Toubkal

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