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Mit dem Nachtzug von Tanger nach Marrakesch

Zunehmend nervös rutsche ich auf dem Rücksitz unseres Taxis hin und her. Wir fahren die Corniche von Tanger entlang – im Schritttempo. Der Fastenmonat Ramadan ist gerade zu Ende gegangen und alle sind in Feststimmung. Die Straßen sind brechend voll. Es ist bereits nach 21.30 Uhr. Unser Nachtzug nach Marrakesch soll um 21.55 Uhr Tanger verlassen und ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie weit es noch bis zum Bahnhof ist. Der Taxifahrer bleibt tiefenentspannt und versichert mir, dass wir – inschallah – unseren Zug erreichen werden. Ich versuche, seine Zuversicht zu teilen und wäre sehr viel entspannter, wenn unser Heimflug nach Deutschland nicht am nächsten Tag ab Marrakesch gehen würde, einer Stadt, von der uns gerade fast 600 km trennen.

Aber dann taucht endlich doch der Bahnhof Tanger Ville vor uns auf. Mit Kind und Gepäck mache ich mich auf den Weg zum gut befüllten Bahnsteig. Ich suche mir einen freien Platz und schaue mich um. Das Publikum ist bunt gemischt. Marrokanische Familien, junge Männer im Anzug, alleinreisende Frauen und gar nicht mal so wenige Touristen aus aller Welt. Die Touristen sind zumeist in Gruppen unterwegs und zwischendurch erinnert das Ganze mich auch ein wenig an eine Klassenfahrt.

Und während ich da so stehe und Felicia in der Trage auf meinem Rücken schon eingeschlafen ist, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ist es eine gute Idee, als Frau alleine mit dem Nachtzug durch Marokko zu fahren. Was werden für Leute mit uns im Abteil sein. Was mache ich, wenn meine zweijährige Tochter nicht schläft und den ganzen Schlafwagen wach hält.

Mein Ticket hatte ich bereits während unserer ersten Woche in Marokko in Marrakesch gekauft. Der freundliche Schalterbeamte befreite mich erst einmal sanft von der Illusion, dass es im Nachtzug auf dieser Strecke Doppel- oder gar Einzelabteile gäbe. Nur Viererabteile also. Ich fügte mich in mein Schicksal und zahlte 370 DH für die Fahrkarte, die ich dann  für den Rest der Reise bei mir trug. Einige Tage nach dem Fahrkartenkauf hatte ich einen Alternativplan ausgeheckt und wollte die Karte verfallen lassen. Es erschien mir – vor allem im Hinblick darauf, dass ich mit meiner zweijährigen Tochter reiste- doch etwas gewagt. Unsere Reise entwickelte sich dann aber noch anders als geplant, sodass ich mich letztlich doch dafür entschied, den Nachtzug zu nehmen. Es würde schon alles gut gehen – inschallah.

So stehe ich also am Gleis und warte auf den Zug. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass dieser schon längst da sein müsste. Mit der Zeit beginnen meine Schultern weh zu tun und ich setze mich auf einen freiwerdenden Platz auf einer der Bänke. Es kommt keine Durchsage und es gibt auch sonst keine Information. Aber alle bleiben entspannt und warten sehr geduldig.

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Und etwa eine Stunde später kommt dann tatsächlich unser Zug. Ich steige ein, zeige einem ONCF-Mitarbeiter mein Ticket und werde sanft in ein Abteil geschoben. Außer uns sind bereits zwei marokkanische Frauen im Abteil, die mich mit dem blonden Kleinkind mit freundlicher Neugier ansehen. Wenige Sekunden später mümmelt meine Tochter den ersten ihr angebotenen Keks und ist begeistert. Derweil bekomme ich zwei Laken und ein Kissen ausgehändigt und richte unser Schlaflager für die bevorstehende Nacht.

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Der Schlafwagen ist recht eng, aber irgendwie auch gemütlich. Ob das an dem Blümchendekor der Wände liegt ? Felicia jedenfalls fühlt sich sehr behaglich und breitet sich nach Fläschchen und dem ein oder anderen Keks bald auf unserem Kissen aus und verfällt in einen Tiefschlaf, der die ganze Nacht anhalten wird. Kurz nach Abfahrt kommt dann noch ein Mitarbeiter mit einem Wagen vorbei, um Snacks und Getränke zu verkaufen. Ein Badezimmer gibt es im Abteil nicht. Auf dem Gang gibt es eine Toilette mit Waschbecken. Wir werden also ungeduscht den Zug verlassen müssen – nun es gibt Schlimmeres.

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Wir schlafen wunderbar. Das Rattern des Zuges hat eine beruhigende und einschläfernde Wirkung und ich bin tatsächlich sehr überrascht, dass wir bei unserer Ankunft in Marrakesch ausgeruht und bereit für den neuen Tag sind.

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Kurz bevor unser Zug Marrakesch erreicht, kommt wieder der Speise-und Getränkewagen vorbei und der Kaffee schmeckt trotz Plastikbecher besonders gut.

Ich bin sehr froh, dass wir letztlich doch mit dem Nachtzug gefahren sind. Im Internet hatte ich zuvor kaum Informationen gefunden und so war ich einerseits neugierig, aber auch ängstlich gewesen, was da auf uns zukommen könnte. Rückblickend kann ich sagen, dass ich sicherlich wieder den Nachtzug in Marokko nutzen werde – vielleicht auch mal in die Gegenrichtung.

Ich habe mich sehr sicher gefühlt, die ONCF-Mitarbeiter waren allesamt sehr hilfsbereit und der Schlafkomfort war besser als gedacht.

Wenn du noch Fragen zur Reise mit dem Nachtzug in Marokko hast, kannst du mich gerne anschreiben.

3 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    ich finde es toll, was du mit der kleinen Felicia unternimmst! So eine Fahrt im Nachtzug kann ja wirklich ein richtiges Abenteuer sein!
    Liebe Grüße
    Gela

    • felibrina sagt

      Danke :). Ja, vor der Nachtzugfahrt hatte ich schon Respekt. Aber jetzt sind wir auf den Geschmack gekommen und wollen noch eine andere Strecke ausprobieren.

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