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Keine Angst vor Urlaub in Marokko

Ist es nicht gefährlich, nach Marokko zu reisen? Eine Frage, mit der ich vor jeder meiner Reisen nach Marokko neu konfrontiert werde. Teils sehe ich echte Besorgnis in den Gesichtern, teils wird gewitzelt, ich solle aufpassen, dass ich nicht entführt würde.

Die Frage, die sich unmittelbar anschließt ist „Aber, du fährst doch wohl nicht alleine?!“. Wenn ich dann noch erzähle, dass ich zwar nicht ganz alleine, aber mit einem zweijährigen blonden Kleinkind fahre und vor Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin und zudem ein Großteil meiner Unterkünfte noch nicht feststeht, weil ich mir teilweise mit unserer Reiseroute noch nicht sicher bin, dann fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Zwischen „Das würde ich mich jetzt aber nicht trauen.“, „Irgendwie ist das ja toll was Ihr macht“ und „Findest du das nicht verantwortungslos?“ bis hin zu fassungslosem Starren ohne weitere Worte ist alles möglich.

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Aber zurück zur Frage – ist Marokko sicher? „Sicher“ ist es nirgends auf der Welt, das war schon immer so und wird durch die Ereignisse dieses Jahres noch einmal drastisch eindrucksvoll dokumentiert. Dass es auch in meiner Heimatstadt nicht nur harmonisch zugeht, zeigt mir meine tägliche Arbeit in der Strafjustiz.

Marokko hat den großen Nachteil, ohne Hinschauen mit anderen nordafrikanischen Ländern in einen Topf geschmissen zu werden. Gefühlt ist bei vielen Nordafrika insgesamt gefährlich. Diese oberflächliche Betrachtung verfängt bei genauerem Hinsehen nicht. Marokko ist derzeit eine Art Ruhepol im nordafrikanischen Raum. Mit Ausnahme der Westsahara und den Grenzregionen zu Algerien und Mauretanien kann Marokko umfassend bereist werden.

Das Auswärtige Amt spricht von einer „stabilen“ politischen Lage, rät von Reisen in die genannten Regionen ab und spricht in seinen Reise-und Sicherheitshinweisen davon, dass nicht ausgeschlossen werden kann, „dass sich die instabile Sicherheitslage in den Regionen Nordafrika, Sahel und Nah-/Mittelost auf Marokko auswirkt“. Liest sich nicht so ermutigend, was derzeit aber beispielsweise auch für die Reise-und Sicherheitshinweise betreffend Belgien und Frankreich gilt.

So viel zur Theorie. Und wir so ?

Ich reise gerne und viel. Ich sehe aber dann von einer Reise ab, wenn ich mich persönlich unwohl bei dem Gedanken fühle, in dem Moment dorthin zu reisen. Ich habe bereits Reisen aus diesem Grunde storniert, was auch schon mal mit größeren finanziellen Einbußen verbunden war. Dies gilt umso mehr, wenn ich nicht alleine, sondern in Begleitung meiner Kinder, bzw. meiner Tochter fahre. Und schließlich habe ich auch, wenn ich mich alleine aufmache, eine Verantwortung dahingehend, dass meine Familie erwartet, dass ich von meiner Reise auch zurückkehre. Ich gehe also nicht leichtfertig irgendwelche Risiken ein, sondern wäge vorher ab, ob ich die geplante Reise gefahrlos wagen kann.

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Vor unseren Reisen nach Marokko habe ich ein solch mulmiges Gefühl  bislang nicht gehabt. Das gilt auch für unsere Unternehmungen vor Ort, die vielleicht manchmal etwas abenteuerlich anmuten, wie unsere Nachtzugfahrt von Tanger zurück nach Marrakesch. Ich habe mich in Marokko bislang immer sicher und gut aufgehoben gefühlt. Das liegt insbesondere an der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die uns begegnet sind.

Eine einzige wirklich unangenehme Erfahrung habe ich gemacht, als ich in Marrakesch im Bus zum Herausholen meines Geldes zwecks Bezahlung in meine Handtasche griff und darin bereits eine andere Hand vorfand. Ein beherzter, kurzer und heftiger Schlag auf die andere Hand hat die Situation zu meinen Gunsten geklärt und der Besitzer der Hand hat es dann vorgezogen, nicht mit diesem Bus zu fahren. So etwas kann aber eben überall passieren.

Ansonsten hatten wir höchstens mal nervige Situationen, wenn ein Verkäufer meinte, uns unbedingt etwas verkaufen zu müssen. Da hilft aber meist ein freundliches „Nein danke „ in englischer, französischer oder arabischer Sprache. Etwas Vorsicht ist vor den Taxifahrern geboten, die gerne einmal abenteuerliche Tarife verlangen. Da hilft es, darauf zu bestehen, dass das Taxameter eingeschaltet wird. Oder man handelt den Preis zuvor aus. Ich bin aus ein und demselben Taxi auch schon viermal ein-und wieder ausgestiegen, bis die Preisverhandlungen ein akzeptables Ergebnis zeitigten. Vorne rechts an der Windschutzscheibe gibt es übrigens oft einen Aufkleber, auf dem einige offizielle Tarife vermerkt sind. So kostet derzeit die Fahrt von Marrakesch zum Flughafen 70 DH. In so einem Fall steige ich ohne Verhandeln in der Stadt ein, frage auch nicht nach dem Preis, sondern drücke dem Fahrer dann am Flughafen 70 DH ggf. mit Trinkgeld in die Hand. Da gibt es dann in der Regel auch keine Diskussionen mehr.

Zug- und Busfahren habe ich als sehr sicher erlebt. Die großen Bahnhöfe in Marokko sind modern und gut überwacht. Zu den Bahnsteigen gelangt nur, wer eine Fahrkarte hat, was manches, das einem in Deutschland am Bahnsteig widerfährt, erspart. Im Zug oder Bus selbst haben wir bisher nur erfreuliche Begegnungen gehabt und auf längeren Zugfahrten manch interessanten Gesprächspartner kennengelernt. Auch die Nachtzugfahrt, bei der wir nicht wussten, was uns erwartet, war eine durchweg positive Erfahrung (mehr dazu hier).

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Wie ist das als Frau in Marokko zu reisen? Man wird angesprochen, das stimmt. In der Regel lässt sich das Angebot  freundlich, aber bestimmt, zurückweisen. Die eigene Kleidung spielt sicherlich auch eine Rolle. Ich kleide mich in Marokko zumeist so, dass Arme und Beine bedeckt sind und die Kleidung eher luftig, denn enganliegend ausfällt. Letzteres schon, da dies an heißen Tagen angenehmer ist. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Frau das tragen können soll, wonach ihr ist. Von der Hand weisen lässt sich aber nicht, dass zumindest die Wahrscheinlichkeit eindeutiger Angebote steigen wird, je mehr Haut gezeigt wird. Ich habe mit der von mir beschriebenen Kleidung gute Erfahrungen gemacht. Ich möchte –leicht offtopic- aber auch zugeben, dass ich es zumindest nicht für geboten empfinde, religiöse Stätten in Spaghettiträgertop und Hotpants zu besuchen. Hilfreich wäre da vielleicht für den ein oder anderen die Kontrollüberlegung, ob er so in Deutschland in die Kirche gehen würde. Vom Fehlen jeglichen ästhetischen Grundempfindens mancher Touristen möchte ich hier jetzt nicht sprechen – das wäre wahrlich zu fernab vom Thema und ein solches für sich.

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Nach meinen Erfahrungen habe ich es in Begleitung meiner Tochter leichter, da ich offensichtlich von der Rolle „Frau“ mehr in die Rolle „Mutter“ gerutscht bin. Mir wird, wenn ich mit Felicia unterwegs bin, noch sehr viel mehr Hilfsbereitschaft entgegengebracht. Während unserer Unternehmungen  geht es oftmals langsam voran, weil wir immer wieder angesprochen und angehalten  werden, von Menschen jeden Alters, die etwas zu Felicia sagen, sie anschauen oder ihr ein Küsschen geben wollen. Ich hatte etwas Sorge, dass das meiner Tochter zu viel werden könnte. Sie aber genießt es, im Mittelpunkt zu stehen und begegnet manchem Interessenten mit derselben Neugier.

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Einen ganz wunderbaren Artikel über das Alleinreisen als Frau in Marokko hat meine Bloggerkollegin Stefanie Schwarz auf ihrem Blog „A World Kaleidoscope“ veröffentlicht. Für alle Frauen, die überlegen, ob sie nach Marokko fahren wollen, unbedingt zu empfehlen.

Wir haben Marokko als sicheres Reiseland erlebt und werden weiter nicht müde werden, das Land gemeinsam zu erkunden. Es gibt so viel zu sehen und ich kenne kaum ein anderes Land, dass eine solche Vielfalt an Möglichkeiten zu bieten hat.

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Vor Ort haben wir mit vielen Menschen gesprochen, wie sie die Sicht vieler Reisender auf Marokko empfinden. Zu spüren war ein gewisses Maß an Verzweiflung und Unverständnis darüber, dass die Ereignisse in anderen Ländern Nordafrikas dazu führen, dass die Urlauber auch Angst vor einer Reise nach Marokko haben.

Ich habe zunächst überlegt, ob auch ich einen Artikel zum Thema schreiben soll, da es bereits andere vor mir getan haben. Ich bin aber zu der Überzeugung gelangt, dass ich nicht möchte, dass Marokko ohne Grund von vielen als gefährliches Reiseziel gesehen wird, und das deswegen dieser Artikel kein Artikel zu viel sein kann.

5 Kommentare

    • felibrina sagt

      Zum Surfen gibt es in Marokko viele tolle Spots. Taghazout und Umgegend oder auch Essaouira und Sidi Kaouki. Essaouira ist eine gute Wahl, wenn du nicht nur zum Surfen nach Marokko willst. Herrlich chilliger Ort, von dem ich mich im September kaum trennen konnte.

    • Lieber patrick ich lege dir Tetuan der letzten Stadt vor Ceuta (span. Kolonie) ans Herz, speziell die Strandregionen Cabo Negro und martil. Einheimische surfen dort am liebsten, es herrschen perfekte Bedingungen.

  1. Interessanter Bericht. Wow, mit Kleinkind durch Marokko reisen, stelle ich mir etwas anstengend vor. Gepäck und Kind. Ich kann es mir als Frau nicht vorstellen, alleine durch Marokko zu Reisen und das mit öffentlichen Verkehrsmittel. Da hätte ich ein unwohles Gefühl. Aber wie du schon in deinem Bericht schreibst, sicher ist man nirgends. Da hast du absolut recht.
    Wünsche euch viel Spaß in eurem nächsten Marokko-Urlaub.
    LG Tanja

    • Vielen Dank <3 Morgen geht es für uns wieder los. Mit Kind und Gepäck ist manchmal herausfordernd, aber immer machbar. Und stets ist jemand da, der im Notfall hilft. Liebe Grüße -Sabrina-

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