Darum Marokko, Gerne gelesen, Marokko allgemein, Neuester Artikel, Uncategorized
Kommentare 6

Mit Kleinkindern durch Marokko reisen

Ist Marokko auch als Reiseziel mit kleinen Kindern geeignet? Unbedingt.

In meinen Berichten über unsere Reisen durch Marokko taucht die kleine Feli ganz selbstverständlich als meine Reisebegleiterin auf. Und so empfinde ich es auch. Für mich ist es ganz normal, sie auf diese Reisen mitzunehmen.

dscn2965

Ich muss dann aber immer wieder feststellen, dass das Reisen mit Kleinkindern und dann noch in Kombination mit dem Reiseziel Marokko für viele Menschen alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Es scheint viele Unsicherheiten, Fragen und Bedenken zu geben. Das hat mich veranlasst, nun doch noch einmal zu diesem Thema was zu schreiben. Vielleicht gelingt es mir, dem ein oder anderen die Angst zu nehmen oder letzte Bedenken zu zerstreuen. Ich möchte auch zeigen, dass eine Marokkoreise mit Kindern nicht nur als Pauschalurlaub in Agadir (wogegen prinzipiell auch nichts einzuwenden ist) möglich ist, sondern das Marokko auch ganz individuell –auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln- mit kleinen Kindern bereist werden kann.

dscn2738

20160119_120429dscn3689dscn3188

Die Menschen in Marokko sind absolut kinderfreundlich. Wir haben tatsächlich noch nie eine ablehnende Reaktion erfahren. Auch meine bezaubernde Tochter hat manchmal ihre Krawallphasen, etwa wenn große Müdigkeit oder Hunger sich breit machen. Keine genervten Gesichter, kein Augenrollen, wie man es so oft als Mutter in Deutschland erlebt. Im Gegenteil, jeder fühlt sich in Marokko scheinbar sofort dazu berufen, den kleinen Schatz aufzuheitern – meist mit Erfolg. Auch sonst habe ich in Marokko stets große Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft erfahren.

Die teils überschwänglichen Reaktionen können manchmal aber auch eine Herausforderung sein. Hier gilt es, angemessen zu reagieren und vieles hängt dann auch vom Naturell der Eltern und insbesondere des Kindes ab. Kinder, Frauen und Männer jeden Alters halten uns in Marokko regelmäßig auf der Straße an, um Felicia zu betrachten, mit ihr zu sprechen, ihr über den Kopf zu streicheln oder aber ihr sogar ein Küsschen zu verpassen. Sie nimmt es meist mit Interesse auf und freut sich über die neuen Gesichter. Wenn ich merke, dass es ihr gerade zu viel ist, versuche ich dies unserem Gegenüber freundlich zu erklären. Es ist uns deswegen auch noch niemand gram gewesen. Ich verstehe, wenn derartige Annäherungen nicht jedermanns Sache sind. Das muss auch jeder für sich entscheiden. Ein freundliches Wort mit einem freundlichen Lächeln kombiniert löst die Situation.

Auch in Restaurants und unseren Unterkünften wurde alles Menschenmögliche unternommen, um die Gunst des kleinen Gastes für sich zu gewinnen. Babybetten gab es in den Unterkünften oftmals, diese werden von meiner Tochter aber abgelehnt. Extra Kindermenüs gibt es eher selten. Aber mal ehrlich, wer braucht sowas? Wir haben immer etwas gefunden, das Felicia auch essen konnte. Ich habe natürlich auch das Glück, dass meine Tochter in Essensdingen sehr experimentierfreudig ist und auch mal beherzt in Dinge hineinbeißt, die sie noch nie gegessen hat.

dscn2976   dscn3567

 

Jedenfalls in den Städten ist es kein Problem an Windeln & Co. zu kommen. Ich nehme aus Deutschland immer nur Windeln für die ersten zwei Tage mit und kaufe vor Ort Nachschub. In den Supermärkten gibt es Großpackungen, für den akuten Bedarf, kann man aber z.B. in der Medina von Marrakesch auch an jeder Ecke Kleingebinde erhalten.

Wir sind meist mit dem Zug oder aber –dort wo das Schienenetz ein Ende gefunden hat- mit Bussen unterwegs. Das ging immer völlig problemfrei. Je nach Auslastung habe ich für Felicia für den Bus auch ein Ticket gelöst (eigentlich hätte sie noch nichts bezahlen müssen), damit sie auch einen eigenen Sitzplatz hat. Mit dem Zug sind wir meist in der 1. Klasse unterwegs, was in Marokko erschwinglich und sehr angenehm ist. Einziges Manko : man meint es –wie so oft in südlichen Ländern- etwas zu gut mit der Klimatisierung. Um Erkältungen-vor allem bei den Kleinen- vorzubeugen, sollte man die Kleidungsfrage im Auge behalten.

dscn3488

Kindersitze sind ein leidiges Thema in Marokko und die Organisation einer Fahrt mit Kindersitz- wenn man kein Selbstfahrer ist- erfordert einige Vorplanung. Für längere Strecken ist es uns immer gelungen, wenn wir mal nicht mit Bus und Bahn sondern ausnahmsweise im Taxi unterwegs waren, ein Fahrzeug mit Kindersitz aufzutreiben. Dabei waren uns häufig auch die Gastgeber in den jeweiligen Unterkünften behilflich. Auch einen organisierten Tagesausflug haben wir im Januar ausnahmsweise von Marrakesch aus mitgemacht. Dabei wird man in der Regel im Riad abgeholt, zum zentralen Platz in der Medina gebracht und dort neu umverteilt, bis man im Minibus mit richtigem Fahrtziel sitzt. Wir stiegen also frohen Mutes in den Minibus mit Kindersitz , der uns am Riad abholte. Am Umstiegspunkt stiegen wir mit Kindersitz aus. Dann das böse Erwachen: Bei dem Minibus, in den wir einsteigen sollten, passte das Ungetüm nicht einmal durch die Tür. Wildes Telefonieren des Fahrers, Stehkonferenz mit den übrigen Fahrern und nach 10 Minuten war die Situation gelöst. Man hatte tatsächlich so umgeplant, dass wieder alles passte. Wo man auf eines der sogenannten Petit Taxis im Stadtgebiet angewiesen ist, wird es mit dem Kindersitz schwierig, um es mal sehr zurückhaltend auszudrücken. Da muss man sich nun entscheiden, wie man damit umgeht. Wir laufen, was zu laufen geht. Wo innerstädtisch Buse fahren, greifen wir teilweise auch auf diese zurück. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, beißen wir auch schon mal in den sauren Apfel und Feli kommt auf meinen Schoß. Wer einen Mietwagen nimmt, kann nicht immer sicher sein, dass der Kindersitz hiesigen Erwartungen entspricht. In diesem Fall würde ich überlegen, den Kindersitz aus Deutschland mitzubringen, zumal viele Fluggesellschaften derartiges Kindergepäck auch kostenfrei befördern.

Der Kinderwagen ist nicht überall das Mittel der Wahl. Unebener Untergrund und  teilweise schmale Gehwege können da zum Hindernis werden. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass z.B. bei einem Gang durch die Medina die Kleinen in Wagen sitzend von den Eindrücken etwas erschlagen werden könnten. Soweit Feli nicht läuft, was sie dankenswerterweise nunmehr auch auf längeren Strecken zunehmend tut, habe ich sie stets in einer Tragehilfe getragen. Zumeist vor mir, mit dem Gesicht zu mir gewandt, damit ich ihre Reaktionen gut beobachten kann.  Für unsere Fahrt in die Berge habe ich eine Kraxe besorgt. Feli liebt sie und thront wie eine kleine Königin darin. Sie hat so Gefallen an dem Ungetüm gefunden, dass sie sie auch in Marrakesch herbeigezogen hat. Das Gute an dem Ding: es hat ein Sonnendach.

dscn2423

 

Das waren jetzt erst einmal ein paar Gedanken zum Thema Reisen mit Kleinkind in Marokko. Wenn du noch spezielle Fragen hast, dann nimm gerne Kontakt auf.

6 Kommentare

  1. Das hört sich ja wirklich klasse an! Wir waren mal pauschal in Tunesien, haben vor Ort aber alle Ausflüge auf eigene Faust mit diesen Minibussen (Louages) unternommen. Auch dort waren die Leute unheimlich nett, freundlich, interessiert und hilfsbereit. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass, egal ob in Tunesien oder Marokko, die Menschen auf Kinder nochmal freundlicher reagieren. Ja, könnte ich mir mit meinen Zwergen auch vorstellen 🙂
    Liebe Grüße,
    Nicole

    • felibrina sagt

      Einfach mal ausprobieren. Wenn es ernst wird kannst du mich gerne wegen weiterer Informationen anschreiben.

  2. Sophia sagt

    Hallo Sabrina
    Ich verfolge mit grossem Interesse deinen Blog!
    Wir haben mehrere Kleinkinder. Du hast ja auch zwei, aber nimmst nur deine Tochter mit. Ist es trotz den kinderfreundlichen Marrokanern zu stressig, mit mehreren Kindern zu reisen, oder gibt es andere Gründe, dass du nur eines deiner beiden Kinder mitnimmst?
    Liebe Grüsse
    Sophia

    • felibrina sagt

      Liebe Sophia,
      mein Sohn ist eher nicht so ein Freund des Reisens. Mit ihm mache ich häufiger mal kleine Städtetrips in Deutschland. Aber – ganz ehrlich? Ich glaube alleine mit den beiden wäre es hart. Wir reisen in Marokko echt viel herum. Mit Bus und Bahn, manchmal täglich. Ich trage dann oftmals meine Tochter und ca. 20 kg Gepäck. Mein Sohn ist 5 und hat manchmal auch eigene Ideen bzw. will nicht so gerne laufen. Ich hätte Bauschmerzen, ob ich, wenn ich alleine unterwegs bin,beiden gerecht werde und das mir keiner verloren geht. Auch käme ich logistisch wohl an den Rand meiner Kapazitäten. Umso mehr Respekt habe ich vor den alleinerziehenden Müttern und Väternn, die teilweise mit mehr als zwei Kindern on Tour sind.Mit meinem Mann zusammen hätte ich keine Bedenken, beide Kinder mitzunehmen. Vier Augen und Hände können halt mehr ausrichten.

      Liebe Grüße, Sabrina

  3. Wir empfinden die Marokkaner auch als sehr kinderlieb und herzlich. Unsere Kinder öffnen auch viele Tore und machen es uns leichter hier Menschen kennen zu lernen.
    Nur auf abknutschende alte Damen muss man gefasst sein. Das mögen unsere Kinder eigentlich nicht so, aber sie kommen damit zurecht.
    Danke für deine Nützlichen Tipps. Hab jetzt das Gefühl, dass wir uns noch viel mehr hier zutrauen können.

    • Lieber Christian,
      ich wünsche euch alles Gute für eure Zeit in Marokko und werde eure Berichte gespannt verfolgen.
      Kinder sind in Marokko wirklich ein Türöffner. Das mit dem Abknutschen machen aber nicht nur die älteren Frauen – wir haben das schon generations- und geschlechterübergreifend erlebt. Felicia nimmt es meist gelassen hin.
      Liebe Grüße, Sabrina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*