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Der Tag, an dem ich ein Riad kaufe

Der Tag, an dem ich ein Riad kaufe – ist noch nicht gekommen. Obwohl, einen gewissen Reiz hätte die Idee schon. Und ich muss zugeben, dass ich bereits das ein oder andere Mal, wenn ich auf der Dachterrasse eines Riads gesessen, auf das Gassengewirr der Medina oder das Meer geblickt und den Muezzin von der nahen Moschee oder das Tosen der Wellen gehört habe, darüber nachgedacht habe, dass es vielleicht nicht das Schlechteste ist, so eine kleine feine Unterkunft sein Eigen zu nennen.

Aber aktuell ist das kein Thema, was akut zur Verwirklichung ansteht. (Wenn ich mir jedoch die Geschichte meiner Gastgeberin in Essaouira noch einmal vor Augen führe, so kann es wohl doch passieren, dass man zur Riadbesitzerin wird – plötzlich, unerwartet und ohne viel Vorlaufzeit). Wenn es soweit ist, dann werde ich es euch wissen lassen und ihr dürft alle bei mir einchecken.

In diesem Artikel soll es aber eigentlich darum gehen, dass ich mich noch einmal gefragt habe, was mich eigentlich an Marokko so fasziniert.

Es ist wie in der Liebe – die Chemie stimmt oder eben nicht und manchmal kommt alles unerwartet und sieht anders aus, als man sich das vorgestellt hätte.

Ich bin fasziniert von Marokko, weil es für mich eine perfekte Mischung aus orientalischen Traditionen und Aufgeschlossenheit gegenüber dem Modernen ist. Ich kann gefühlt eintauchen in eine Welt aus 1001 Nacht und finde gleichwohl vertraute Strukturen wieder.

Ich bin tief beeindruckt von der Gelassenheit dieses Landes und seiner Bewohner. In Marokko lerne selbst ich einen Gang runterzuschalten und von der ewigen Eile und Hektik, wie sie uns in Deutschland vermehrt begegnet, abzulassen. Der Zeitbegriff ist ein anderer und überall spürt man dieses Vertrauen, dass sich die Dinge schon irgendwie fügen werden – inschallah. Im Tal von Imlil im Hohen Atlas habe ich seit langer Zeit einmal wieder jedes Zeitgefühl verloren und nur im Moment gelebt – beinahe hatte ich schon vergessen, wie befreiend dies sein kann. Unvergessen auch die Szenerie am Bahnhof in Tanger als der Nachtzug nach Marrakesch für lange Zeit einfach nicht kommt und uns auch keinerlei Information zuteil wurde. Alle blieben völlig entspannt, niemand wetterte gegen die Eisenbahngesellschaft oder machte sonst seinem Unmut Luft. Irgendwann kam der Zug angerumpelt, alle stiegen ein und alles war gut.

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Die Farben Marokkos sind magisch. Obwohl sich dem Betrachter eine unglaubliche Vielfalt an Farben bietet, sind diese fast nie grell oder anstrengend für das Auge. Die Farben Marokkos sind intensiv und zugleich harmonisch.

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Dachterrassen – nirgends sonst habe ich auf so vielen wunderbaren Dachterrassen gesessen. Ich habe gerne den Überblick und das geht von den Dachterrassen ganz gut. Auf einigen dieser Terrassen hätte ich ganze Tage zubringen können. Besonders angetan haben es mir auch die Dachterrassen der ehemaligen Koranschulen, von wo aus man zumeist einen einzigartigen Blick auf die Häuser der Medina hat.

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Die Medina ist in nahezu jeder marokkanischen Stadt ein Ort für 1001 Entdeckung. Hier kann man sich treiben lassen, sich verlaufen, den Weg wiederfinden und eintauchen in eine Welt, die sich von unserem deutschen Alltagsleben so sehr unterscheidet.

Hohe Berge, tolle Küsten und die Wüste – auch landschaftlich könnte Marokko abwechslungsreicher nicht sein. Ich habe schon immer das Meer geliebt und wollte niemals in die Berge. Die Zeit im Hohen Atlas hat mir gezeigt, dass auch die Bergwelt ein wunderbares Erlebnis sein kann.

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Wir haben schon sehr unterschiedliche Temperaturen in Marokko erlebt. Als wir im Winter dort waren, ist es abends schon empfindlich kalt geworden. Der Juli in Marrakesch war hingegen wirklich heiß und damit bestimmt nicht jedermanns Sache. Ich bin von Haus aus eine Frostbeule. Temperaturen unterhalb von 20 Grad sind für mich gleichbedeutend mit arktischer Kälte. Es braucht nicht viel Phantasie um zu verstehen, dass mir das Wetter in Marokko mehr Wohlbehagen bereitet als das deutsche Wetter, das mich insbesondere in den Wintermonaten schier verzweifeln lässt.

Immer wieder beeindruckt mich auch die –von mir schon in anderen Artikeln erwähnte- Kinderfreundlichkeit der Marokkaner  und der Respekt der Müttern entgegengebracht wird. Ich würde mir in Deutschland wünschen, dass mich auch einmal jemand zunächst nach dem Namen meines Kindes fragt, bevor bestimmte Entwicklungsschritte abgefragt werden.

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Den Unterschied zwischen Deutschland und Marokko bemerke ich deutlich, wenn ich nach einem längeren Aufenthalt zurück nach Deutschland komme. Alles ist auf einmal schnell, hektisch, kompliziert und wichtig. Und für mich –bis ich mich dann wieder eingefunden habe- erst einmal wahnsinnig anstrengend.

Im Moment werde ich wohl erst einmal nicht nach Marokko auswandern – dafür dass das nicht irgendwann in der Zukunft mal passieren wird, kann ich allerdings keine Garantie abgeben. Aber ich muss immer und immer wieder zurück in dieses wundervolle Land um meine Batterien aufzutanken und etwas von der Gelassenheit und der menschlichen Wärme mit zurück nach Deutschland zu nehmen.

 
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4 Kommentare

  1. adil zaryouh sagt

    Liebe Frau MÜLLER,
    Ich habe ihr berricht über meine land marokko durch gelesen,ich finde es wirklich ganz toll.
    Ich bin vor kurze zeit auch von marokko nach deutschland zurück gekommen,und mein gedanken ist immer noch in marokko.
    Danke für ihr berricht….
    Mit freundlich grüssen
    adil.

    • felibrina sagt

      Vielen Dank für die netten Worte. Ich bin sehr froh, dieses schöne Land schon sehr bald wieder besuchen zu dürfen.

  2. Hallo Sabrina,
    dieses Rückkehr-Gefühl, wenn einem in Deutschland plötzlich alles hektisch und unfreundlich vorkommt, kenne ich auch. Gerade in größeren Städten (wie meiner Wahl-Heimat Hamburg) habe ich oft das Gefühl, dass alle mit Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-Scheuklappen unterwegs sind. Umso schöner ist es dann, wenn man an einen Ort entfliehen kann, der entspannter ist 😉
    Viele Grüße
    Imke

    • felibrina sagt

      So ist es. Und deswegen entfliehen wir am Freitag auch schnell mal wieder nach Marokko und tanken ein wenig Gelassenheit 😉

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