Neuester Artikel, Tanger

Unterwegs in Tanger

Tanger – das Tor zum afrikanischen Kontinent, ganz nah an Europa und doch so anders. Wer Tanger hört, der denkt an Schriftsteller wie Paul Bowles, an Schmuggel und an Spione und auch an den Orient.

Nach Tanger haben unterschiedlichste Menschen gefunden- vor allem auch exzentrische Ausländer, Künstler, Hippies- was ist es, dass den Reiz dieser Stadt ausmacht und wie wirkt die Stadt heute auf ihre Besucher?

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Wir haben uns noch einmal aufgemacht in die marokkanische Metropole am Meer, um uns selbst ein Bild davon zu machen, wie diese Stadt tickt. Bei unserem ersten Besuch im Juli war es nicht gleich Liebe auf den allerersten Blick – wie das mit Marrakesch der Fall war.

Aber wir hatten Lust, noch einmal wiederzukehren, um die Stadt besser kennenzulernen. Diesmal ist es Tanger dann auch gelungen, mir ein wenig ans Herz zu wachsen. Wir sind noch immer in der Kennenlernphase und so ganz weiß ich noch nicht, was ich von Tanger halten soll, aber ich habe das Gefühl, dass ich noch einige Male nach Tanger zurückkehren werde, um mehr über die Stadt und meine Gefühle für diese herauszufinden.

In unserem ersten Artikel zu unserem Wochenendtrip nach Tanger nehmen wir euch mit zu sehens-und liebenswerten Plätzen in Tanger. Dies soll aber keine vollständige Auflistung aller Sehenswürdigkeiten Tangers sein, keine Liste im Stil „10 Orte, die du in Tanger gesehen haben musst “(Suchmaschinen würden es lieben) , sondern ganz schlicht ein paar Ideen, was man sich in Tanger anschauen kann.

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Kasbahviertel

Oberhalb der restlichen Medina thront die Kasbah, für mich persönlich der vielleicht schönste Teil Tangers.

Von den Dachterrassen einiger Gästehäuser und Restaurants im Kasbahviertel hat man einen einzigartigen Blick über ganz Tanger. Man könnte meinen, die Stadt läge einem zu Füßen. Wir waren verzaubert, von der Aussicht, die sich von der Dachterrasse unseres Gästehauses bot. Zu unserer Unterkunft werde ich in einem der nächsten Artikel mehr schreiben. Hier vorab schon einmal ein paar Bilder als Vorgeschmack, damit ihr wisst, was ich meine.

p1200360img_0886p1200509img_0642img_0816  img_0693 Man gelangt durch eines der Stadttore in die Kasbah. Wir haben uns verliebt in den Mosaikbrunnen am Bab el Assa. Bei soviel Schönheit gibt es auch einen herben Beigeschmack: Hier wurden einst nach Gerichtsverhandlungen die Verurteilten ausgepeitscht. Dieses eher unschöne historische Detail hat aber auch Matisse nicht davon abgehalten, das Tor in einem Bilde zu verewigen.

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Betritt man die Kasbah durch das Tor, so findet man sich auf der Place du Méchouar -auch als Place de la Kasbah bezeichnet – wieder.

Auf der linken Seite des Platzes ist dann auch der ehemalige Justizpalast samt Gefängnis zu sehen. Außerdem findet man hier auch den ehemaligen Sultanspalast Dar el-Makhzen, der heute das Kasbahmuseum beherbergt. Um einen wunderbaren Innenhof herum finden sich in mehreren Räumen Exponate, die Einblick in die örtliche Geschichte geben. Angeschlossen ist auch der Garten des Sultans, in dem man lustwandeln kann.

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Marshan-Viertel

Im sogenannten Marshan-Viertel, das westlich der Kasbah liegt, schauen wir uns zunächst die Phönizischen Gräber an. Viel ist nicht zu erkennen, außer ein paar rechteckigen Aussparungen im Gestein. Das eigentliche Highlight dieses Platzes ist die Aussicht aufs Meer. Man sieht vor allem Marokkaner und Marokkanerinnen, die auf den Steinen Platz genommen haben und das Panorama genießen. Das steckt an. Auch wir nehmen Platz und genießen den Aus- und Augenblick.

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Von dort aus sind es nur wenige Schritte bis zum Café Hafa. Wir sind an einem Wochenende dort und es ist voll. Kein Tisch ist unbesetzt und darauf stehen dampfende Suppe und süßer Tee. Das 1921 gegründete Café ist terrassenförmig angelegt und unter Bäumen hat man einen schönen Blick aufs Meer. Ein weiterer Platz auf unserem Rundgang, an dem es sich gut verweilen lässt. Das wussten in der Vergangenheit schon Künstler wie Paul Bowles und die Rolling Stones zu schätzen.

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Unterwegs in der Medina

Verlässt man das Kasbahviertel durch das Stadtor Bab el Assa uns steigt hinab, so kommt man irgendwann am Café Baba vorbei. Auch hier ist am Wochenende viel los und ein freier Tisch nur schwer auszumachen. An den Wänden finden sich Bilder illustrer Gäste, die hier in der Vergangenheit bereits zu Gast waren. Am schönsten sind die Tische am Fenster. Unterhalb der Fenster liegt übrigens das Anwesen, in dem einst die Woolworth-Erbin Barbara Hutton lebte.

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Das American Legation Museum lohnt einen Besuch schon wegen des schönen Gebäudes, in dem es untergebracht ist. Es wurde 1821 von Sultan Mulay Slimane den Vereinigten Staaten von Amerika zum Geschenk gemacht. Von diesem Zeitpunkt an bis ins Jahr 1961 befand sich dort die diplomatische Vertretung der USA in Marokko. Seit 1973 ist nun ein Museum in den Räumen untergebracht In den Räumen der Gesandschaft kann man sich auf historische Spurensuche begeben und trifft auch hier auf den in Tanger scheinbar allgegenwärtigen Paul Bowles, dem ein ganzer Flügel gewidmet ist.

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Die Große Moschee dürfen Nichtmuslime leider nur von außen anschauen. Es lohnt sich gleichwohl, beim Gang durch die Medina einen Blick darauf zu werfen.

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Am Rande der Medina (Rue Portugal) befindet sich der jüdische Friedhof Tangers, der eine ganz spezielle Atmosphäre hat.

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Villa Josephine

Wer ein wenig Luxus schnuppern möchte, der kann dies bei einem Besuch der Villa Josephine machen, von deren Garten man einen wunderbaren Blick über die Straße von Gibraltar hat. Dieses Luxushotel, das auch ein Restaurant beherbergt, gehörte ursprünglich Walter Burton Harris, der u.a. Times-Korrespondent in Marokko war. Spätere Besitzer waren der Herzog von Tovar und der Pascha von Marrakesch. Heute wird das Haus auch vom marokkanischen König besucht. Im Moment lagen die Zimmerpreise oberhalb unseres Budgets, aber vielleicht haben wir irgendwann einmal die Möglichkeit, auch eine Nacht in dieser illustren Nobelherberge zu verbringen.

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Librairie des Colonnes

Eine Traditionsbuchhandlung mit Büchern in arabischer, französischer, englischer und spanischer Sprache. Man findet viel über Tanger und Werke von Autoren, die sich gerne in Tanger aufgehalten haben. Aber auch sonst ist das Sortiment beachtlich, auch Kinder-und Kochbücher sind zu erstehen.

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Warst du schon in Tanger und was hat dir dort besonders gut gefallen. Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Tanger lässt sich auch gut auf eigene Faust erkunden. Wir haben uns, da Zeit ein knappes Gut war, für einen Tag einem Guide anvertraut. Mit Herrn Abdelmoghit El Jelili (+212 667-564623) waren wir sehr zufrieden.

In meinem nächsten Artikel werde ich euch in das älteste Gästehaus Tangers entführen.