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Marrakesch mit Kindern – machen oder lieber lassen ?

Ich liebe Marrakesch und fühle mich dort rundum wohl. Das geht nicht jedem so. Immer wieder höre ich, dass Marrakesch irgendwie zu stressig sei, zu laut, zu viel etc. Dieser Eindruck kann auch schnell entstehen, aber wer länger bleibt und sich treiben lässt, der wird sie entdecken, die reizvollen Seiten der Stadt, die diese so besonders machen.

Aber was ist mit Kindern ? Ist Marrakesch als Reiseziel für Menschen mit Kindern geeignet ?

Vorab: dies ist kein Guide à la „Marrakesch mit Kindern – so geht es „.  Ich will lediglich einige Gedanken und persönliche Tipps zum Thema weiterreichen, da dazu immer wieder mal Fragen auftauchen.

Zurück zur Frage: Marrakesch mit Kindern – top oder Flop ?

Das lässt sich so generell nicht beantworten. Es kommt auf viele Faktoren an: dein Kind, dich, deine Pläne für euren Aufenthalt.

Wenn du selbst kein Gewusel und keine große Städte magst, dann wird sich dieses Empfinden unbewusst auf dein Kind übertragen. Es wird deine negativen Empfindungen im Zweifel spüren und verunsichert werden. Hast du hingegen kein Problem damit, wenn es um dich belebt zugeht und bist du bereit, dich auf eine bunte, manchmal laute und chaotische und doch wunderbare Stadt einzulassen, dann gibst du auch dies zumindest unbewusst weiter.

Ist dein Kind eher neugierig und interessiert an allen möglichen Dingen ? Das sind gute Voraussetzungen für Marrakesch. Es gibt eine Flut von Eindrücken, die es zu verarbeiten gilt.

Kleine Kinder sollten die Medina nicht im Buggy erkunden müssen, sondern getragen werden.

Warum ? Zunächst fahren viele Motorroller durch die engen Gassen und das teilweise mit einer irren Geschwindigkeit. Das Kind im Buggy befindet sich  auf ähnlicher Höhe und könnte Angst bekommen. Insgesamt ist es wohl nicht so toll, durch eine Menschenmenge geschoben zu werden und keinen Überblick zu haben. Besonders unglücklich ist es wohl, wenn der Nachwuchs nach vorne blickt und keinen Sichtkontakt zu den Eltern hat. Wir haben den Buggy als Alternative zum Tragen einmal selbst ausprobiert – nie wieder, es war die Hölle. Beim Tragen kann das Kind die Umgebung erkunden und sich, wenn es doch mal zu viel wird, einfach zurückziehen. Der Körperkontakt zu Mama oder Papa vermittelt außerdem ein sicheres Gefühl.

Wer getragen wird, hat natürlich auch gute Zugriffsmöglichkeiten oder: eine Sonnenbrille wechselt ihre Besitzerin

Felicia hatte bei ihrem ersten Marrakeschaufenthalt schon viel von der Welt gesehen und war daher einiges an Eindrücken gewohnt. Sie ist vom Naturell her auch sehr an neuen Dingen interessiert. Mit ihr Marrakesch zu erkunden macht Spaß. Zunehmend darf sie nun  auch im Gewirr der Gassen mal selber laufen. Aber immer an der Hand – die Motorroller, ihr wisst schon.

Also: Mit ganz kleinen Kindern die Medina erkunden geht ganz gut (tragen 😉 !). Noch desorientierte Selbstläufer sind die schwierigste Gruppe und bedürfen ganz besonders intensiver Beaufsichtigung. Die größeren Kinder werden Spaß haben in der Medina denn es gibt so viel zu entdecken und zu sehen. Hier könnten eher die Eltern dadurch in Schwierigkeiten geraten, dass sie die vielen interessierten Fragen des Nachwuchses nicht beantworten können („Mama, was ist das ?“ , „ähm …“).

Als allererstes Reiseziel für seit kurzem laufende Kleinkinder ist Marrakesch vielleicht weniger gut geeignet. Aber dazu können wir eben aus eigener Erfahrung nichts Belastbares sagen.

Ausgedehnte Sightseeingtouren sind in der Regel – das ist nicht nur in Marrakesch so – nichts für Kinder.

Gestaltet euer Programm aufgelockert. Notfalls bleibt länger oder lasst was weg. Nichts ist stressiger, als mit einem total überforderten, müden und ggf. schreienden oder weinenden Kind inmitten einer fremden Stadt zu stehen. Da hilft es, sich in seinem Zeitempfinden von den Marokkanern inspirieren zu lassen 😉

Was kann man mit Kindern gut anschauen ?

In der Medina gibt es wunderbare Rückzugsorte, die auch mit Kindern gut machbar sind. Allen voran die Medersa Ben Youssef, die ehemalige Koranschule, in deren Innenhof man gut spielen oder mit den Eltern gemeinsam Bauklötze staunen kann (mehr zur Medersa hier).

Felicia in der Medersa Ben Youssef

Auf Mamas Rücken sanft in den Schlaf geschaukelt

Der relativ neue Jardin Secret (mehr hier) ist ein toller Garten mitten in der Medina und macht auch Kindern Spaß.

Felicia im Jardin Secret

Toll auch der Badipalast mit seinen Störchen. Viel Platz, um sich zu bewegen und was Interessantes zum gucken, was will man mehr ?

Der Jardin Majorelle außerhalb der Media lässt sich auch gut mit Kindern erkunden – am besten morgens kurz nach Öffnung (das gilt auch ohne Kinder). Riesige Pflanzen, viel Platz und Fische und Schildkröten im Teich beobachten.

Freudensprünge im Jardin Majorelle

Kleine Rast vor dem nächsten Abenteuer

Kamelreiten kann man auch – in der Palmeraie. Das ist für die größeren Kinder ganz bestimmt ein großer Spaß. Wir selbst haben es in Marrakesch noch nicht ausprobiert.

Essen & Schlafen

Wer Wickelkinder hat, sollte wissen, dass es direkt am Djemaa el Fna ein Café mit Wickelraum gibt (Café Argana). Gutes Eis mit Blick auf den Platz gibt es dort übrigens auch

Wer Lust auf Pizza und eine kinderfreundliche Umgebung hat, sollte ins Chez Yassine ( Rue Fatima Zahra Rmila – direkt neben Hammam El Bacha) gehen. Einfach, aber so lecker und so herzlich. Es gibt außer der Pizza aber auch leckere marokkanische Gerichte (ca. 5 Minuten Fußweg vom Djemaa el Fna).

Malen und Pizza esen bei Chez Yassine

Das Hotelangebot in Marrakesch ist riesig. In den neuen Hotelbauten außerhalb der Medina ist es zumeist wohl etwas ruhiger und es gibt Platz für große Poolanlagen, aber man ist eben auch ein wenig außen vor und die Betreuung ist in der Regel weniger persönlich.

Im Riad Sheba hat man sich auf unseren Besuch vorbereitet – jede Menge Dinge zum Spielen und Krachmachen

Im Riad Dar Arby lieben wir das Koutobia-Zimmer

So ein Zelt auf dem Dach ist schon super (La Maison Nomade)

Wir persönlich bevorzugen ein Riad in der Medina und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ein tolles Familienappartement  habe ich gerade im Riad Misria gezeigt bekommen (zwei Schlafzimmer, Badezimmer, eigener kleiner Patio). Ich war bei meinem Besuch alleine dort und hatte daher ein kleineres Zimmer im Riad- aber ich habe es mir das Appartement zeige lassen und war ziemlich angetan.

Wer mit Kindern mal raus in die Natur fahren und ggf. sogar dort übernachten will, dem sei Jnane Tihihit (alle Infos hier) ans Herz gelegt. Es lohnt sich als Tagesausflug aber ist auch über Nacht wunderbar. Ein schöner Kontrast zum Trubel in Marrakesch.

Photo: Jnane Tihihit

Photo: Jnane Tihihit

Im Ergebnis ist Marrakesch mit Kindern in der Regel gut machbar, wenn man Zeit mitbringt und das Programm nicht überlädt. Die echten Sehenswürdigkeiten haben ohnehin keinen Wegweiser und stehen in keinem Reiseführer – es gilt, sie selbst zu entdecken.

Ich wünsche euch viel Spaß in dieser zauberhaften Stadt. Und wenn du dich mit Kind gerade noch nicht an Marrakesch herantraust : fahr später, wenn dein Kind etwas älter ist, hin -aber fahr auf jeden Fall einmal hin !

Du willst noch mehr Tipps und Erfahrungen zum Thema Marrakesch mit Kindern ?

Auf Planet Hibbel findest du tolle Tipps zu Sights und für dein Verhalten vor Ort.

Über das verrückte Treiben in der Medina hat Sabine von Gecko Footsteps gebloggt.

Viele hilfreiche Tipps und schöne Fotos von Marrakesch gibt es auch auf Viermal Fernweh.

Travelisto nimmt euch mit auf einen Streifzug durch Marrakesch und hat Infos zum Djemaa el Fna für euch.