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Marokko während des Fastenmonats Ramadan bereisen

Ende Mai beginnt in diesem Jahr der islamische Fastenmonat Ramadan (dieses Jahr 27. Mai bis 25. Juni) und auch in Marokko gehen dann die Uhren wieder anders.

Wie ist es, während dieser Zeit das Land zu bereisen ? Wir haben im letzen Jahr -eher ungeplant- den Praxistest gemacht und haben die letzten Tage des Fastenmonats, der 2016 in die Sommermonate Juni und Juli fiel, hautnah miterlebt. Ich kann vorab sagen, dass es eine ganz besondere Erfahrung war, die uns sehr bereichert hat.

Ramadan – was ist das ? (die Kurzversion)

Das Fasten im Ramadan ist eine der Säule des Islams. Nach dem Frühstück vor dem Aufgang der Sonne bis zum sogenannten Iftar, dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang wird Nahrung, Flüssigkeit und Zigaretten entsagt. Und auch sonst ist während des Fastenmonats Enthaltsamkeit auf ganzer Linie angesagt. Fasten ist Pflicht für jeden Muslim, es gibt jedoch Ausnahmen wie Kranke, Schwangere, Kinder und auch Reisende. Letztere müssen „verpasste“ Fastentage aber strenggenommen nachholen. Die Konzentration soll auf das Wesentliche gelenkt werden. Klingt nach einer Herausforderung, dieser Fastenmonat.

Nach dem Fastenbrechen am Abend erwacht das eigentliche Leben . Kurz zuvor bricht das absolute Chaos in den Städten aus, weil jeder zum Iftar daheim bzw. bei Freunden sein möchte.

Am Ende des Fastemonats stehen große Feierlichkeiten. zum Zuckerfest reist halb Marokko quer durchs Land zur Familie und auch während dieser Tage ist nichts „normal“.

Auf den ersten Blick erscheint der Ramadan für den Reisenden lästig. Die Geschäfte sind oftmals zu anderen Zeiten geöffnet als sonst, Restaurants und Cafés in großen Teilen bis zum Fastenbrechen gänzlich geschlossen, staatliche Stellen nur eingeschränkt geöffnet, Museen und andere Sehenswürdigkeiten haben spezielle Öffnungszeiten und überhaupt geht alles viel langsamer voran als sonst.

Unsere persönlichen Erfahrungen

Da kann man sich jetzt ärgern, weil das nicht in die eigenen Pläne hineinpasst, oder aber, sich auf diesen veränderten Rhythmus einlassen und sich mitreißen lassen.

Felicia und ich haben im letzten Jahr unseren Tagesrhythmus einfach angepasst. Morgens haben wir im Riad gefrühstückt und haben dann am Vormittag etwas unternommen. Danach haben wir uns bis zum Fastenbrechen in unser Riad zurückgezogen und haben die Zeit genutzt, um zu schlafen, zu lesen oder andere Dinge zu tun.

Das Fastenbrechen haben wir dann meist gemeinsam mit muslimischen Freunden erleben dürfen und sind danach noch bis zu später Stunde in den belebten Straßen unterwegs gewesen. Vor allem, wenn der Ramadan in die heißen Sommermonate fällt, bringt diese Zeiteinteilung ganz klare Vorteile mit sich. Es macht einfach mehr Spaß, in den kühleren Abendstunden durch die Gassen zu flanieren, als bei drückenden Temperaturen von über 40 Grad.

 

In Marrakesch fanden wir es sehr beeindruckend, die Gebete vieler Tausender an der Koutobiamoschee mitzuerleben.

Einige Tage dieser Zeit haben wir im letzten Jahr in einem Berberdorf im Tal von Imlil im Atlasgebirge in einem Homestay verbracht. Und war es dort ohnehin schon, als sei das Leben vollends entschleunigt, so wurde dieser Effekt durch den Ramadan noch einmal verstärkt.

Von Salé (bei Rabat) aus, wo wir einige Tage verbracht hatten, waren wir zu einem Tagesausflug nach Meknes aufgebrochen. Die Abfahrtszeit unseres Zuges zurück nach Salé wurde mit Blick auf das Fastenbrechen verschoben. Als wir dann im Abteil saßen, packte ein junger Marokkaner freudig das über den Tag erwartete Essen aus und teilte es mit mir und Felicia.

Das Ende des Fastenmonats wird groß gefeiert. Das Zuckerfest ist einer der wichtigsten islamischen Feiertage. Da dann die Familien zusammenkommen, findet zuvor eine rege Reisetätigkeit quer durch das Land statt. Wir hatten eigentlich geplant, von Rabat aus weiter nach Chefchaouen zu fahren und dort einige Nächte zu bleiben. Daraus wurde nichts, denn es gab keine Bustickets mehr. Insgesamt gestaltete es sich schwierig, weiterzufahren. Wir lösten schließlich völlig ungeplant ein Ticket nach Tanger und fanden dort unser Glück (aber das ist eine andere Geschichte).

Bei den Touristen schien niemand daran Anstoß zu nehmen, wenn diese während des Tages tranken und Nahrung zu sich nahmen. Ich muss jedoch sagen, dass ich mich selbst unwohl dabei fühlte, vor dem Fastenbrechen in der Öffentlichkeit zu essen und es daher vermied. Es ist also, vor allem in den touristisch stark geprägten Gegenden kein Problem, sondern vielmehr eine individuelle Entscheidung, wie man sich damit fühlt.

Wir haben es weitestgehend vermieden, in den Nachmittagsstunden Verkehrsmittel zu benutzen, da ich Sorge hatte, dass sich die Nichtaufnahme von Flüssigkeit und Nahrung negativ auf die Konzentrationsfähigkeit des Fahrers auswirken könnte und damit gegebenenfalls die Gefahr von Unfällen steigen könnte.

Unsere Tipps

  • Vor allem: bleib gelassen und verzweifel nicht, wenn die Dinge langsamer vorangehen, als erwartet.

  • Bevorrate dich zu den Öffnungszeiten mit etwas Essbarem und Getränken, damit du tagsüber darauf zurückgreifen kannst.

  • Wenn du in den letzten Tagen des Ramadans einen eng getakteten Reiseplan hast, versuche, alle Zug- und Bustickets möglichst frühzeitig zu kaufen.

  • Falls du bestimmte Besichtigungen machen möchtest, erkundige dich vorab, ob im Ramadan geänderte Öffnungszeiten gelten.

  • Für den Fall, dass du zum Fastenbrechen eingeladen wirst, dann lass dir dieses Gemeinschaftserlebnis nicht entgehen.

  • Geh hinaus auf die Straße und lass dich mitreißen von dem Treiben.

  • Sollte tatsächlich mal jemand unfreundlich oder ruppig sein, bedenke, dass dies wahrscheinlich eine Folge des Entsagens von Flüssigkeit und Nahrung ist. Fast jeder von uns kennt das, wie übellaunig an werden kann, wenn der Magen in den Kniekehlen hängt.

  • Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Kleidung bei Reisen nach Marokko eher dezent und nicht unbedingt aufreizend sein sollte. Das gilt während des Fastenmonats besonders.

  • Vermeide in den späteren Stunden des Tages vor dem Fastenbrechen Taxifahrten oder Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Hunger und Durst machen nicht nur leichter reizbar, sondern beeinträchtigen auch die Konzentration.

Fazit

Unsere nächste -diesmal ganz kurze- Marokkoreise ist bereits geplant. Wir fliegen am 27. Mai nach Marrakesch und werden diesmal also den Auftakt des Fastenmonats miterleben.

Marokko während des Ramadans zu bereisen ist anders, aber eine besondere Erfahrung, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.

9 Kommentare

  1. Melina Urte sagt

    Vielen Dank für deinen Artikel. Ich fliege am 31. Mai mit zwei Freunden nach Marrakesch. Die beiden sind praktizierende Moslems und fasten, ich selbst nicht.
    Viel Vergnügen auf eurer Reise.
    Herzliche Grüße aus Bremen

  2. Erika Buchholtz sagt

    Vielen Dank für den Bericht wie fliegen an 05.06 nach Marrakesch und ich habe erst nach der Buchung gemerkt das diese Zeit dort Ramadan ist und war ziemlich verunsichert jetzt bin ich etwas berühigt.

    • Liebe Erika, ich hoffe, Ihr hattet eine wunderbare Zeit in unserem Lieblingsland. Vielen Dank für deine Worte.

  3. Thomas imlau sagt

    Hi, ich bin als deutsches Kind in den 70er und 80er Jahren in Marokko aufgewachsen und fast alle Ramadane miterlebt. Ich Es hat sich in der Zeit kaum verändert. Es passieret nicht viel. Alles läuft halbe Kraft und es hatte etwas besinnliches. Ich denke, dass es heute, ich war lange nicht da, ähnlich ist.

  4. Thomas imlau sagt

    Wie lange bist du immer in Marokko?
    In welcher Stadt bist du ?
    Ich will eventuell auch dieses Jahr noch nach Marokko.
    Gruß
    TBV4Thomas

    • Hallo Thomas, danke für deinen Kommentar. Wir sind quer durch Marokko unterwegs – mal nur fürs lange Wochenende und manchmal mehrere Wochen. Unsere marokkanische Homebase ist aber gefühlt Marrakesch.

  5. Wir fliegen dieses Jahr während Ramadan nach Marrakesh mit Kleinkind. Hört man die stündlichen Gebetsrufe recht laut in den Riads? Die sollen ja im Hinterhof recht ruhig sein. Hoffe unser Sohn wacht nicht ständig auf…

    • Natürlich kann ich nicht für jedes Riad sprechen, aber ich gehe davon aus, dass man schon was hören kann. Eine Moschee in unmittelbarer Nähe gibt es fast immer. Meine Kinder haben sich da als unempfindlich erwiesen und sich in ihrem Schlaf dadurch nicht stören lassen, aber das ist natürlich von Kind zu Kind verschieden. Falls ihr eure Unterkunft noch nicht gewählt habt, könnt ihr bei Google Maps vielleicht schauen, in welcher Entfernung die nächsten Moscheen sind. Viel Spaß in Marokko !

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