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Magisches Moulay Idriss

Man hätte mich vorwarnen müssen. Ok, es gab entsprechende Andeutungen. Eine Leserin sprach davon, dass der Ort „magisch“ sei, aber trotzdem war mit so etwas nicht zu rechnen. Es hat mich schwer erwischt, umgehauen und mir die Füße weggezogen. Moulay Idriss, wieso musste ich erst fast 38 Jahre alt werden, bevor ich dich kennenlernen durfte ?

Es ist 7 Uhr morgens. Die Gassen sind noch leer. Katzen kreuzen unseren Weg. Viele. Überall. Als wir am Platz ankommen, treffen wir wieder den alten Mann, den wir schon an den beiden Tagen zuvor gesehen haben. Er grüßt und schaut uns interessiert an. Verständlich. Wenige Leute durchstreifen um diese Zeit Moulay Idriss. Vor allem keine Reisenden, wie wir es sind. Überhaupt fallen wir gerade ziemlich auf in dem Örtchen. Wäre da nicht die junge Amerikanerin, die am gleichen Tag wie wir angekommen ist, wir wären wohl die einzigen Touristen. Ich grüße zurück und setze meinen Weg fort. Felicia schläft in der Tragehilfe selig weiter und wärmt mich zusätzlich zur Morgensonne. Heute mittag wird es deutlich über 40 Grad werden, aber noch lässt es sich gut aushalten. Ok, ich schleppe ein nicht eben leichtes Kind mit mir herum und es geht überwiegend bergauf-teilweise steil bergan- aber was macht das schon, wenn man durch Aus- und Anblicke so reichlich entlohnt wird. Eigentlich würden wir heute weiterreisen – zurück nach Fès und von dort gen Norden. Alles war geplant und vorbestellt. Und dann konnte ich nicht. Weil : Moulay Idriss.

Wer einmal morgens die Treppen in den kleinen Gassen emporgestiegen ist und auf den Ort herunterblickt oder aber nach Sonnenuntergang auf dem Hauptplatz in einem der Cafés einen Minztee oder einen frischgepressten Orangensaft getrunken und dabei das Treiben in sich aufgenommen hat, der weiß, wovon ich spreche. Wir hatten also erst einmal einen Aufschub der Abreise vorgenommen. Rückblickend betrachtet, hätten wir noch viel länger bleiben müssen.

Für die Muslime ist Moulay Idriss ein heiliger Ort und birgt die bedeutendste Wallfahrtstätte des Landes, das Grab des Moulay Idriss. Eine siebenmalige Wallfahrt nach Moulay Idriss ersetzt die Wallfahrt nach Mekka. Die Grabstätte und der heilige Bezirk, der durch Nichtmuslime nicht betreten werden darf, befindet sich in einer Senke zwischen den beiden auf Hügeln emporsteigenden Stadtteilen.

Unmittelbar davor befindet sich im Zentrum der Platz Sahat Massira el-Khadra, der von Cafés und Arkaden mit Geschäften gesäumt ist. Abends sitzen die Männer in den Cafés (teilweise auch Familien), die Frauen auf den Stufen vor den Geschäften und die Kinder lassen den Platz zu einem riesigen Spielplatz werden. In den Geschäften finden sich alle erdenklichen Waren und wenn du eine Djellabah kaufen möchtest, ist Moulay Idriss ein guter Ort dafür. Rechterhand der Cafés gibt es zahlreiche Imbisse und auffallend viele Friseurgeschäfte. Hier kann man auch in einen Markt einbiegen, wo Obst und Gemüse, Fleischwaren und andere Dinge feilgeboten werden.

Neben dem Mausoleum ist das runde Minarett in grüner Farbe mit weißen Koransuren ein echter Hingucker. Sonst gibt es keine sogenannten „Sehenswürdigkeiten“ in Moulay Idriss. Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist dann auch der Ort selbst, mit seinen Farben, Menschen, Katzen und mit Treppen durchzogenen Gassen. Zeit spielt hier gefühlt keine Rolle und dann und wann erhascht man bei dem Streifzug durch den Ort auch einen attraktiven Ausblick auf die umliegenden Berge.

Die Bewohner des Städtchens haben wir als herzlich und äußerst hilfsbereit erlebt. Jeder war uns gerne beim Finden des gesuchten Weges behilflich und auch beim Einkaufen wurde sich alle Mühe gegeben, bis wir in einem der Läden das Gesuchte fanden.

Moulay Idriss liegt nicht weit von Meknès entfernt, dem man auch unbedingt einen Besuch abstatten sollte. Von Fès aus ist Meknès am besten mit dem Zug zu erreichen. Von Meknès aus fahren dann in der Nähe des Instituts Francais Sammeltaxis und es soll auch eine Busverbindung geben. Wir haben uns in Meknès per Taxi abholen lassen und haben dafür 150 Dirham bezahlt.

Es gibt eine Handvoll Unterkünfte in Moulay Idriss. Wir waren begeistert vom Dar Zerhoune. Rose Button, eine Neuseeländerin, die mittlerweile in Europa und Moulay Idriss lebt, hat dieses zauberhafte Haus eröffnet und betreut und umsorgt gemeinsam mit einem engagierten Team ihre Gäste.

Bei der Ankunft bereitet es bereits Freude, die bunten Stufen zur Eingangstür hinunterzugehen. Im Riad warten sechs Zimmer auf Gäste. Wir haben das Zimmer Nr. 6 im zweiten Obergeschoß bewohnt, vor dem sich ein zauberhafter überdachter Terrassenbereich erstreckt. Noch weiter oben gibt es eine Dachterrasse, von wo man schöne Sonnenuntergänge beobachten kann und wo Frühstück und sonstige Mahlzeiten eingenommen werden können.

Neben traditioneller marokkanischer Küche gibt es auch Pasta und Pizza, vegetarische Gerichte und einen griechischen Salat, der seinesgleichen sucht. Die Qualität ist hervorragend und die Preise erschienen uns sehr moderat.

Es gibt für heiße Tage zudem einen klimatisierten Salon und eine kleine Bibliothek, in der man auch Bücher tauschen kann. Wer Internet benötigt, findet eine erstklassige Wifi-Verbindung vor.

Wir hatten zudem die Möglichkeit, unsere Wäsche waschen zu lassen und wurden sehr liebevoll umsorgt. Dabei ist insbesondere Hajiba zu danken, die das Haus führt, wenn Rose nicht vor Ort ist. Aber es waren wirklich alle zauberhaft und haben dafür gesorgt, dass wir uns wie zuhause gefühlt haben.

Ganz in der Nähe – fußläufig erreichbar- liegen außerdem noch die berühmten Ausgrabungen von Volubilis. Asche auf mein Haupt, wir haben sie uns für das nächste Mal aufgehoben. Es war schlichtweg zu heiß während unseres Aufenthaltes.

Wer nach Fès oder Meknès fährt, der sollte unbedingt einen Abstecher nach Moulay Idriss machen- idealerweise mit Übernachtung in einem der Riads vor Ort.

Moulay Idriss ist magisch. Es verzaubert binnen kürzester Zeit und lässt in einem den Wunsch entstehen, nicht mehr zu gehen, aber zumindest immer wieder zurückkehren zu wollen.

2 Kommentare

  1. Irmgard Balser sagt

    Hallo Felibrina,
    eine sehr liebevolle Beschreibung von Moulay Idriss!
    Wir haben uns auf unserer Reise durch Marokko 2013/14 Volubilis angeschaut und Mouly Idris links bzw rechts liegen gelassen. Dies scheint ein Fehler gewesen zu sein, den wir auf unserer nächsten Marokko-Rundreise im kommenden Winter nicht wiederholen werden!
    2015/16 fuhren wir an der algerischen Grenze entlang durch Marokko durch, da unser Ziel Gambia war. Aber dieses Mal werden wir uns wieder hauptsächlich Marokko ansehen.
    Vielen Dank
    Irmgard

    • Liebe Irmgard, das Städtchen hat uns wahrlich verzaubert und wird euch sicherlich auch in seinen Bann ziehen. Wir müssen ja nun noch Volubilis nachholen – würden aber auch so jederzeit nach Moulay Idriss zurückkehren. Viel Spaß auf den weiteren Reisen nach Marokko wünschen wir euch !

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