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Azemmour – Eine Begegnung mit der Stadt am Fluss

Manchmal ist es schön, sich einfach treiben zu lassen. Und dann landet man auf einmal an zauberhaften Orten. Wie ich in Azemmour.

Zurück auf Anfang. Zu meinem Geburtstag habe ich mir auch in diesem Jahr selbst einen Kurztrip nach Marokko geschenkt. Die Sehnsucht war so groß, dass es mir nichts ausmachte, dass mein Aufenthalt nur von wirklich kurzer Dauer sein würde und die Anreise mit einigen Strapazen verbunden sein würde. Am Freitagabend fuhr ich mit einem Regionalzug von Kassel nach Düsseldorf. Von dort fuhr um kurz vor vier Uhr morgens der Bus zum Flughafen in Weeze. Für die wenigen Stunden dazwischen hatte ich mir ein Hotel in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes gesucht, konnte aber vor Aufregung und Reisefieber ohnehin nicht schlafen.

Kurz nach 7 Uhr hob der Flieger in Weeze ab und wenige Minuten nach 10 Uhr hatte ich endlich marokkanischen Boden unter den Füßen. Ich fuhr diesmal mit dem Bus (30 DH) vom Flughafen hinein in mein geliebtes Marrakesch. Zwei Nächte hatte ich dort vorab in einem Hostel reserviert und der Plan war, am Djemaa el Fna auszusteigen und von dort durch die quirligen Gassen der Medina zu meinem Hostel zu laufen. Der Bus erreichte den Platz und nahezu alle Passagiere stiegen aus. Ich blieb sitzen.

Das Gefühl vom Abend zu vor war wieder da. Ich wollte in dieser kurzen Zeit noch mehr als Marrakesch sehen – ich wusste nur noch nicht was. Als der Bus den Bahnhof erreichte stieg ich aus. Da stand ich nun vor dem Bahnhofsgebäude neben dem auch der Busbahnhof von Supratours liegt. Zug oder Bus ? Ich warf eine Münze und es war entschieden, dass ich mit dem Zug weiterfahren würde. Nur wohin ? Ich betrat das Bahnhofsgebäude und sah auf der Anzeigetafel, dass um 12.20 Uhr ein Zug nach Fès fahren würde. Aber ich wollte keine großen Städte. Ich sehnte mich nach einem ruhigen und beschaulichen Ort.

Und dann fiel mir Azemmour wieder ein. Ich hatte Bilder gesehen und Azemmour hatte schon einmal auf meiner Bucketlist gestanden. Dazu war es aber noch nicht gekommen. Die ideale Gelegenheit. Nachdem ich mich mit Geld versorgt und meine marokkanische Telefonkarte aufgeladen hatte, schaute ich online nach. Ich konnte diesen Zug nehmen, würde in Casa Voyageurs umsteigen und von dort einen Zug mit Endziel El Jadida nehmen, der mich nach Azemmour bringen würde. Gerade noch rechtzeitig vor geplanter Abfahrt des Zuges schaffte ich es, ein Ticket 1. Klasse zu lösen (194 DH).

Ich freute mich, den Zug noch erreicht zu haben. Nachdem ich meine Platz eingenommen hatte, wurde bekanntgegeben, dass sich unsere Abfahrt um 30 Minuten verzögern würde. Deutsche Panik brach in mir aus und ich befragte den Schaffner wegen meines Anschlusses. Er lächelte milde und versicherte mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Es sei nur besser am Bahnhof l’Oasis umzusteigen. Von unterwegs stornierte ich meine Hostelübernachtung für diese Nacht und buchte ein Zimmer in Azemmour. Irgendwann ging es dann endlich los und die Landschaft zog an uns vorbei. Mit dem Anschluss klappte alles und etwas mehr als 24 Stunden nach meiner Abfahrt in Kassel war ich am Ziel meiner Reise.

Am Bahnhof trudelten nach und nach mehrere rote Petit Taxi ein und nahmen die angekommenen Zugreisenden auf. Ich zahlte 5 DH und wurde vor dem Eingang zur Medina abgesetzt. Ich hatte zuvor auf  Bildern gesehen, dass meine Unterkunft sehr nahe am Fluss liegen musste und versuchte mich in Richtung des Flusses zu orientieren. Mit mäßigem Erfolg. Ich fragte mich durch und wurde mit großem Hallo und viel Getöse von einer Kinderschar bis zur Tür meiner Unterkunft eskortiert. Dort hatte man mit mir nicht gerechnet. Meine Buchung war so kurzfristig erfolgt, dass sie noch niemand bewusst wahrgenommen hatte. Mit mehreren Schlüsseln stiegen wir herauf auf die mittlere Terrasse und ich durfte mir eines der schönen Terrassenzimmer aussuchen. Die Wahl war nicht ganz einfach.

Wo war ich gelandet? Im Riad L’oum Errebia mit einer wunderbaren Aussicht auf den Fluss Oued Oum. Auf insgesamt drei Terrassenebenen gab es überall wunderbare Plätze zum Verweilen, eine üppige Blütenpracht und einen Pool. Der Anblick des Flusses und der kleinen Boote wirkte sofort beruhigend auf mich.  Das Riad hat drei verschiedene Arten von Zimmern und insgesamt neun Zimmer. Die Terrassenzimmer sind am günstigsten. Ich fand es dort aber ganz wunderbar, gleich vom Zimmer auf die Terrasse treten zu können und würde wahrscheinlich wieder ein solches Zimmer wählen (ich habe 55 Euro mit Frühstück bezahlt). Außerdem gibt es noch zwei Zimmer mit Flussblick, was natürlich auch reizvoll ist.

 

Das Riad gleicht einer Galerie. In allen Zimmern finden sich Kunstwerke wieder. Ansonsten herrschen eher unaufgeregte Farben vor und jedes Detail fügt sich harmonisch in diese Umgebung ein. Bereits unmittelbar nach meiner Ankunft hätte ich gerne verlängert, aber dann hätte ich meinen Rückflug nach Deutschland nicht bekommen. Auf der Terrasse sitzen und auf den Fluss blicken, viel mehr braucht es eigentlich nicht. Entspannung pur in einer geschmackvollen Umgebung. Das Ambiente ist gleichzeitig beruhigend und inspirierend – einfach schön. Wer mag kann sich am Abend bekochen lassen.

Trotz aller Müdigkeit wollte ich nun aber hinaus und die Gassen der Medina erkunden. Schon nach wenigen Metern wurde ich –auch ohne meinen pinken Koffer- wiedererkannt und freundlich begrüßt. Ich traf während meines abendlichen Rundgangs keine anderen Reisenden und erweckte sichtlich die Neugier der Bewohner als ich in meiner Djellaba durch die Gassen lief und immer wieder stehen blieb, um eine Tür oder ein Haus zu betrachten. In Azemmour gibt es viele Wandmalereien. An manchen kommt man nicht vorbei, um andere zu sehen, muss man ganz genau hinschauen. Auch hat an einigen bereits der Zahn der Zeit deutlich genagt, was aber einen besonderen Reiz auf mich ausübt.

Ich setzte meinen Spaziergang außerhalb der Medina fort und geriet in ein geschäftiges Treiben zwischen Obstständen, Cafés und Geschäften. Überall waren an den Mauern  weitere Malereien zu sehen und ich konnte mich schwer entscheiden, wohin ich zuerst gehen sollte. Aufkeimender Hunger trieb mich in eine Bäckerei wo ich für kleines Geld ein noch warmes Brot erwarb. Zufrieden mein Brot mümmelnd und geflasht von den neuen Eindrücken kam ich zurück ins Riad, wo ich nicht nur einen Rotwein bekam, sondern auch noch mit einer tollen Gemüsesuppe verköstigt wurde. Die Müdigkeit hatte mich dann irgendwann fest im Griff und ich schlief in dieser Nacht tief und fest in meinem bequemen Bett.

Am Morgen zog es mich sofort nach draußen auf die Terrasse und der Blick auf den Fluss war einfach nur unglaublich schön. Schnell zog ich mich an, um noch vor dem Frühstück die Gassen weiter zu erkunden. Zunächst waren ich und die Katzen alleine unterwegs und die Wandgemälde wirkten nun teilweise ganz anders im Licht der Morgensonne. Ohne Ziel lief ich die Gassen auf und ab und nach und nach erwachte die Stadt zum Leben und immer mehr Menschen traten hinaus aus den Häusern. Wie gerne wäre ich noch geblieben, was für ein wunderbarer Ort. So ursprünglich und irgendwie voller Ruhe.

 

Ich kehrte zurück ins Riad und nahm mein Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf den Fluss ein. Ich genoss die warme Sonne, den frischen Orangensaft und meinen Milchkaffee und hätte noch sehr lange dort so sitzen können.

Aber Marrakesch erwartete mich und um 11.33 Uhr fuhr mein Zug. Mit dem Petit Taxi ging es zurück zum Bahnhof wo ich meine Fahrkarte nach Marrakesch löste.

Azemmour ist wunderbar und ein Ort der Ruhe. Ich habe mich sehr wohlgefühlt und komme wieder. Insbesondere muss ich natürlich noch einmal mit Felicia dorthin fahren.

2 Kommentare

  1. Goppelt Jacqueline sagt

    Wunderschöner Ort und Bericht., Immer eine Freude von Dir zu lesen und kurz dem grauen Alltag zu entfliehen.

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