Neuester Artikel, Oujda, Versteckte Juwelen

Reise nach Oujda

Uns noch unbekannte Orte in Marokko entdecken, macht mir immer besonders große Freude. Eine Reise nach Oujda eignet sich dafür hervorragend.

 

 

Oujda – die Idee

Ich hatte vor längerer Zeit schon einmal gesehen, dass Ryanair von Düsseldorf-Weeze aus auch nach Oujda fliegt. Ein Blick auf die Karte verriet mir, dass Oujda im Nordosten Marokkos nahe der algerischen Grenze liegt.  Ansonsten hatte ich keinerlei Vorstellung von Oujda. Ich dachte bei mir, dass man dort vielleicht auch einmal hinfahren könne, vergaß diesen Gedanken aber alsbald wieder.

Es war dann ein Leserkommentar auf unserer Fanpage auf Facebook, der letztlich dazu führte, dass wir Oujda kennenlernen durften. Wenn du, lieber Racid, diesen Artikel liest, dann sei dir unseres Dankes für diesen Kommentar gewiss. Was hätten wir verpasst, wenn wir die Reise nach Oujda nicht angetreten hätten.

Ich hatte, als ich den Kommentar las, bereits einen Flug nach Fès gebucht und den Rückflug noch offen gelassen. Da Fès weder besonders weit südlich, noch besonders weit westlich in Marokko liegt, dachte ich, es müsste doch möglich sein, das mit einem Kennenlernen von Oujda zu verbinden.

Schnell fand ich heraus, dass es eine Zugverbindung mehrmals täglich von Fès nach Oujda gibt. Und auch bei der Flugsuche hatte ich großes Glück. Just an jenem Tag, der als letzter für den Rückflug in Betracht kam, gab es einen Flug von Oujda nach Deutschland. Dieser wurde dann ohne großes Überlegen gebucht und Oujda war damit beschlossene Sache.

Anreise nach Oujda

Ryanair bietet Direktflüge ab Düsseldorf-Weeze an, die teilweise sehr günstig sind. Allerdings finden in einigen Monaten keine Flüge statt. Man kann stattdessen aber beispielsweise nach Nador (die nähere Option 1 ½ Stunden von Oujda) oder Fès fliegen und von dort mit dem Zug nach Oujda fahren (wir haben für einen Erwachsenen und ein Kind in der 1. Klasse für die Strecke Fès –Oujda 271 Dh bezahlt).

Unterkunft in Oujda

Obwohl wir Oujda alles andere als touristisch empfunden haben, gibt es doch eine Reihe von Hotels. Viele davon befinden sich in der Nähe des Bahnhofs. Ich hatte mich bereits in Deutschland für eine Unterkunft nahe der Medina entschieden, das Dar Al Fassia.  Ausschlaggebend war, dass es sich um ein kleines Haus mit nur vier Zimmern handelt , das überall sehr positiv bewertet wurde und optimal gelegen ist.  Die Übernachtung mit Frühstück kostet etwa 40 Euro.

Es war ein Traum. Brahim, unser Gastgeber ,hat uns vom Bahnhof abgeholt und uns – im Dar angekommen – mit den Worten empfangen „das ist jetzt euer Zuhause“. Genauso hat es sich angefühlt. Er, seine Frau Faiza und Mohammed haben sich mit einer solchen Herzlichkeit um uns gekümmert, dass sich dafür kaum Worte finden lassen.

Das Bett war superbequem, das Zimmer makellos sauber und das Frühstück wunderbar. Wenn möglich hätten wir sofort verlängert. Als wir nach nur zwei Übernachtungen abgereist sind, hatten wir bereits das Gefühl, Abschied von Freunden zu nehmen. Aus diesem Grund werden wir in jedem Fall im Dar Al Fassia auch während unserer Winterreise Station machen.

 

Dar Al Fassia

Spaziergang durch Oujda

Beinahe nirgends anders in Marokko konnten wir so ungestört inmitten von Menschen umherflanieren und einfach eintauchen in das Leben in der Stadt. Niemand wollte uns etwas verkaufen, uns den Weg zeigen oder sonstige Dienste feilbieten. In aller Ruhe und Gemütlichkeit sind wir durch die Souks und die Gassen geschlendert und haben dies alles auf uns wirken lassen.

Dann und wann haben wir uns auf einer Bank oder an einem Brunnen niedergelassen und ich habe wunderbare lange Gespräche mit verschiedensten Menschen führen können. Man ist sehr zurückhaltend auf uns zugekommen, hat sich aber sehr dafür interessiert, was uns nach Oujda verschlagen hat.

Oujda hat eine wunderschöne Medersa, die leider nicht geöffnet war. Allein dies ist ein Grund zur Wiederkehr, denn wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich die Medersas und ihre Architektur liebe.

Mein Herzensort in Oujda  ist der Sebti Palast, direkt gegenüber des ebenfalls sehr schönen Parks Lalla Mariem.

 

Dieses -in  1938 erbaute- Gebäude kann ohne Gebühr besichtigt werden und wir hatten es an diesem Morgen ganz für uns alleine. Untergebracht ist dort ein kulturelles Zentrum für arabisch-andalusische Musik und es finden in den Räumlichkeiten Feiern und Empfänge statt.

Uns war es angesichts solcher architektonischer Schönheit auch gleich feierlich zumute. Wir blieben eine ganze Weile und bestaunten die Pracht und unterhielten uns dann noch länger mit der Aufsicht, von der wir auch noch einige schmackhafte Datteln angeboten bekamen.

 

Gegenüber im Park kann man sich wunderbar erholen. Es grünt und blüht auf mehreren Ebenen. Der Eintritt ist frei. Es gibt im unteren Bereich ein einfaches Café, wo man an Mosaiktischchen einen leckeren Tee trinken kann.

 

Ein Highlight der Medina sind ohne Zweifel die drei Brunnen an der Außenseite der großen Moschee . Hier kann man auch schön einmal innehalten und auf das umliegende Treiben blicken. Ansonsten sind sie natürlich ein perfektes Fotomotiv.

 

Es gibt noch einige andere Dinge in Oujda zu entdecken und wir haben während unseres kurzen Aufenthaltes längst nicht alles gesehen. Uns war es aber wichtiger, sich einfach treiben zu lassen in den Gassen und in den Souks und den Vibe der Stadt in uns aufzunehmen.

Oujda ist weit weniger herausgeputzt als die Städte, die gemeinhin Bestandteil einer typischen Marokkoreise sind. Die Stadt ist nicht spektakulär, nicht atemberaubend, aber durch und durch liebenswert.

Oujda, wir kommen wieder, um dich noch besser kennenzulernen.