Marrakesch, Neuester Artikel

Marrakesch – Traum aus 1001 Nacht oder Touristenfalle ?

Um es vorwegzunehmen: Wir lieben diese Stadt und betrachten sie als eine Art Homebase in Marokko.

Sich ohne Ziel durch die Gassen der Medina treiben zu lassen, an jeder Ecke etwas Neues entdecken, Tee mit alten Bekannten trinken. Immer wieder gerne kehren wir dorthin zurück und werden das in diesem Jahr und zu Beginn des kommenden Jahres auch wieder tun.

Und es wird sein wie immer. Sobald ich das Minarett der Koutobia Moschee erblicke, wird mir warm ums Herz werden und ich werde grinsen wie ein Honigkuchenpferd.

 

Viele jedoch mögen Marrakesch nicht –zu laut, zu voll und zu aufdringlich. Das habe ich lange Zeit nicht wirklich verstanden. Aber je öfter ich nun an weniger stark touristischen Orten in Marokko unterwegs war, desto mehr fange ich an zu verstehen.

Und ja, wir sind nicht blind dafür, dass in Marrakesch besonders viele Menschen vom Tourismus und den Touristen leben wollen und so, vor allem wenn man keine Zeit hat, sich auf die Stadt einzulassen, vieles aufdringlich und unverschämt wirkt.

 

Ein Kapitel für sich sind die Taxifahrer, mit denen ich seit Anbeginn meiner Aufenthalte in der Stadt immer wieder Probleme habe, weil ich es schlichtweg nicht einsehe, ein Vielfaches des Preises zu zahlen.

Auch die scheinbar hilfreichen Menschen, die einem den Weg in der Medina zeigen wollen, um später exorbitant hohe Summen zu fordern, können für den Marrakeschneuling zum Ärgernis werden (Daher immer Menschen fragen, die etwas völlig untouristisches verkaufen).

Zudem kann Fotografieren  schnell mal teuer werden, denn manch einer hat diesen Nebenerwerb für sich entdeckt.

 

Dies alles sind Folgen von großen Mengen an Touristen, die der Stadt einen Besuch abstatten. Es ist verständlich, dass so mancher davon profitieren und seinen Lebensunterhalt aufbessern möchte.

Marrakesch boomt derzeit gefühlt unglaublich und ich habe mit jedem Besuch der Stadt das Gefühl, dass noch mehr Reisende in den Gassen unterwegs sind. Wir sind auch in Marrakesch gerne in den Morgen- und Abendstunden und auch mal jenseits der ausgetretenen Pfade unterwegs- weil mir dieses Übermaß an Touristen manchmal schlicht zu viel wird.

Dabei möchte ich eigentlich gerne, dass möglichst viele Menschen die Schönheiten dieser Stadt entdecken und sie so lieben lernen wie ich.

 

Manchmal hilft es dann, Geschwindigkeit rauszunehmen. In einer Ecke der Medersa Ben Youssef mit einem Buch und Malsachen zu sitzen, während mehrere Gruppen von Reisenden reinkommen und auch wieder herausgehen.

Sich nicht wahnsinnig machen lassen von der Taktung, der viele offensichtlich unterliegen, sondern sich alle Zeit der Welt lassen. Es ist viel geschrieben worden über Marrakesch und kaum einer der Artikel wird der Schönheit der Stadt tatsächlich gerecht.

 

Mich ermüdet nicht die Stadt, mich ermüden dann und wann die Begleiterscheinungen einer stetig wachsenden Zahl an Besuchern. Dann zieht es mich in Orte wie Azemmour, Moulay Idriss oder Oujda, wo diese Entwicklung noch nicht angekommen ist.

Aber dann zieht es mich doch wieder zurück nach Marrakesch, um im Café Koutobia den ersten Minztee des Tages zu trinken.

 

Was will ich euch mit diesem Artikel sagen ?

Fahrt nach Marrakesch – aber bringt genug Zeit mit, um die Stadt richtig auf euch wirken lassen zu können. Und wenn ihr nur wenig Zeit habt, nehmt einfach den ein oder anderen „Programmpunkt“ raus und kommt noch mal wieder.

 

8 Kommentare

  1. Sehe es genauso wie du! Ich würde auch niemandem empfehlen, nur für einen Städtetrip nach Marrakesch zu kommen, sondern immer noch ein paar andere Orte wie Essaouira oder einen Wüstentrip mitzunehmen, damit der Eindruck von Marokko nicht gar so einseitig (und nicht womöglich zu negativ) ist.
    LG Steffi

    • Ja, Marokko ist so vielseitig. Da lohnt es, mehrere Orte zu kombinieren. Wenn ich selbst mich auch immer noch in Entschleunigung üben muss.

  2. War ja gerade Anfang November wieder in Marokko – am Anfang und am Ende einer kleinen Rundreise mit Freuden je 2 Nächte in Marrakesch – ich kann Deinen Eindruck nur bestätigen, dass gefühlt jedesmal mehr Touristen in Marrakesch unterwegs sind – noch nie stand ich so lange in der Schlange der Passkontrolle am RAK…
    Die Taktung – aber das ist ja fast überall so – in möglichst kurzer Zeit möglichst viel sehen?! Da bleibt keine Zeit zum Kennenlernen, Verstehen – zum wirklich ankommen in einem fremden Land, einer neuen Stadt!
    Ich habe es sehr genossen, beim (hoffentlich nicht) letzten Besuch in Marrakesch mehr Zeit zu haben und auch mal abseits der „ausgetretenen Pfade“ und zu anderen Zeiten als die grossen Touri-Gruppen unterwegs zu sein…

    • Ja, dankenswerterweise gibt es noch die ruhigen Gassen, in die sich die Massen nicht verirren. Und gerade dort macht man oft spannende Entdeckungen. Der männliche Teil der Familie wird im Januar erstmals in Marrakesch sein- ich bin schon sehr gespannt, was die beiden sagen werden.

  3. Ich fand es auch sehr schade, dass ich bei meinem bisher einzigen Marokko-Besuch nur Marrakesch gesehen habe. Leider mit viel zu wenig Zeit. Ich muss auf jeden Fall noch mal mit mehr Muße wiederkommen!

    • Auf jeden Fall ! Es gibt so viel zu entdecken. Wenn du konkrete Tipps brauchst, schreibe mich gerne zu gegebener Zeit an 😉

  4. Michael Seiffert sagt

    Ja, Marrakesch ist wunderschön! Ja, Marrakesch ist voll! Ja, Marrakesch lohnt einen Besuch sehr! Wir hatten in diesem Jahr bei unserer 6-wöchigen Marokkotour drei Nächte in Marrakesch eingeplant. Wohnen in einem schönen Riad, Auto auf einem bewachten Parkplatz. Alles super. Und dann: Viel Zeit für die wenigen Ziele, die wir uns ausgesucht hatten. Denn das stimmt: Marrakesch nach enger Taktung geht nicht.
    Von unserem Riad hatten wir einen 15minütigen Weg durch die Medinagassen zum Djemaa el Fna. Durch enge Gassen, voll des Trubels, mit Mopeds, Fahrrädern, Lasteseln … Eng, trubelig, gewöhnungsbedürftig. Aber um dieses Ungewohnte zu erleben, reisen wir doch! Das „touristische Bemühen“ der Menschen, die auf die Einnahmen angewiesen sind, war nicht anders als in anderen orientalischen Städten. Man lernt damit umzugehen und erlebt viel Freundlichkeit und Hilfe. Und unerwartet: Die Ordnung auf dem Gauklerplatz. Das war vor 17 Jahren noch ganz anders. Ist es heute besser? Wir waren uns nicht ganz sicher …

    • Vielen Dank für deine Eindrücke ! In sechs Wochen Marokko habt ihr ja sicherlich auch viel von Marokko gesehen. Am 15. 12. fliegen wir wieder los und natürlich steht auch in diesem Winter Marrakesch wieder mit auf dem Programm – ganz entspannt und ohne Zeitdruck.

Kommentare sind geschlossen.