Neuester Artikel, Oujda, Uncategorized

Die Medersa in Oujda – ein gut verstecktes Juwel

Bei unserem ersten Besuch in Oujda im Oktober dieses Jahres waren wir überwältigt von der Schönheit dieser Stadt und der Gastfreundschaft ihrer Bewohner. Einen der laut unseren Recherchen schönsten Orte hatten wir allerdings nicht gesehen, die Medersa, die Koranschule.

Diese wurde 1335 erbaut nd ist damit fünf Jahre jünger als die berühmte Medersa Bouaanania in Fès. Trotz ihrer geringen Größe gilt sie als Meisterwerk merinidischer Baukunst.

So war es mir bei unserem derzeitigen Besuch ein besonderes Anliegen, diesen Besuch nachzuholen. Ich ahnte jedoch nicht, dass sich dies gar nicht so einfach gestalten sollte. Ziel dieses Artikels ist nicht nur der Hinweis auf dieses kleine Architekturwunder, sondern auch die Erleichterung dessen Auffindung.

Wir sind derzeit wieder im Dar Al Fassia, einem kleinen Gästehaus vor den Toren der Medina. Die Herzlichkeit der Betreiber ist kaum vorstellbar und ich habe mich am Bahnhof sehr gefreut, als uns Brahim dort abgeholt hat. Als wir dann von seiner Frau mit Umarmung begrüßt wurden, habe ich ihr von unserem geplanten Besuch in der Medersa erzählt. Sie kannte diese zunächst nicht, wollte sich aber für mich erkundigen.

Am nächsten Morgen bot sie uns an, uns zur Medersa zu begleiten. Gemeinsam zogen wir also los und verschwanden in den Gassen der Medina. Bei einem Bekleidungsgeschäft hielten wir an und erhielten dort eine Auskunft, die uns in die Nähe der großen Moschee und der drei Brunnen führte. Dort pochten wir an eine Tür und wurden in eine Schule eingelassen, in der der Koran gelernt wird.

Im Innenhof trafen wir auf einen Mann, der uns sodann weiter begleiten sollte. Meine Gastgeberin erklärte unser Anliegen und zeigte ihm ein Bild der Medersa auf meinem Handy. Er ergriff das Handy und zeigte das Bild einem weiteren Mann. Es folgte ein Dialog in arabischer Sprache. Der Mann verließ mit uns beiden Frauen und Felicia die Schule und wir folgten ihm durch die Gassen. Irgendwann fragte er einen weiteren Passanten auf der Straße und wir zeigten auch diesem das Bild. Es folgte abermals ein längerer Dialog in arabischer Sprache.

Danach begaben wir uns nur wenige Schritte weiter in einen kleinen Laden. Auch dem Ladenbesitzer wurde das Bild unter die Nase gehalten. Seine Gesichtszüge verrieten sofort, dass er wusste, wo das Bild aufgenommen wurde. Es folgte ein weiterer Dialog in arabischer Sprache.

Wir vier stapften also zurück bis zu den drei Brunnen. Dort gingen wir durch den kleinen Torbogen auf der rechten Seite.

Wir folgten dann einer beschilderten Gasse, die auf den ersten Metern nicht danach aussah, als würde sie uns zum Ziel führen.

Wir landeten vor dem Tor der Medersa. Eine für mich lesbare Kennzeichnung habe ich nicht bewusst wahrgenommen. Pochen an die Tür. Uns war aufgetan und im Inneren herrschte emsiges Treiben. Männer, Frauen und eine ganze Zahl von Kindern kreuzte unsere Wege. Anders als in den Königsstädten schien dieses Gebäude in aktiver Nutzung zu sein. Besucher gab es außer uns keine, auch keine Kasse für den Eintritt. Wir fragten, ob wir das Gebäude besichtigen dürften und wir durften uns sodann umschauen.

Die Medersa ist winzig, aber zauberhaft. Und ich war sehr froh, diesen Anblick doch noch genießen zu dürfen. Da hatte sich der Aufwand allemal gelohnt. Wir ließen den sonst üblichen Betrag für den Eintritt zurück und verabschiedeten uns von den Anwesenden.

Ich bin immer noch erstaunt, wie wenig bekannt dieser Ort in Oujda scheinbar ist, aber vielmehr überwältigt von den allseitigen Bemühungen, uns beim Auffinden zu helfen.