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Sidi Ifni – Alternde Schönheit zwischen Atlantik und Wüste

Sidi Ifni hat mich verzaubert. Die architektonischen Zeugnisse spanischer Kolonialzeit, die in jedem Licht anders wirken und an denen der Zahn der Zeit teilweise deutlich genagt hat, der tosende Atlantik und die felsige Landschaft, in die Sidi Ifni eingebettet ist, führen bei mir zu Entschleunigung und Entspannung.

Einen ganz eigenen Charme bekommt die ganze Szenerie auch an Tagen an denen es diesig ist und die in die Jahre gekommenen Gebäude teilweise nur schemenhaft zu erkennen sind.

Sidi Ifni ist alles zugleich: entspannt und dramatisch, ursprünglich und anziehend für Generationen von Reisenden, Stadt am Meer und Tor zur Wüste, unkompliziert und facettenreich.

 

Als wir Anfang Januar das erste Mal Sidi Ifni erblicken, bin ich einfach nur froh, endlich angekommen zu sein. Felicia und ich haben von Mirleft aus einen der grünen Busse des Unternehmens Lux genommen, die von dort aus etwa jede Stunde nach Sidi Ifni fahren. Für günstige 10 Dh ist das Ticket erworben und schon sitze ich mit Felicia, einem großen Rucksack und unserem Handgepäckstrolley im Bus. Dieser ist einfach ausgestattet und erinnert mehr an einen innerstädtischen Bus. So gibt es z.B. keine Armlehnen, was sich während der Fahrt noch als klarer Nachteil erweisen wird.

An diesem Tag fallen wir auf im Bus – Felicia und ich sind offensichtlich die einzigen Touristen. Außerdem haben die anderen Fahrgäste zwar auch alle möglichen Dinge dabei, aber was die Dimensionen anbetrifft, fallen wir mit unserem Gepäck deutlich aus dem Rahmen. Irgendwie empfinde ich die Strecke kurvenreich, den Bus als zu schnell, und bin die ganze Fahrt über schwer damit beschäftigt, Kind und Gepäck unter Kontrolle zu halten. Ein Gepäckfach gibt es nicht. Den Trolley habe ich mir also zwischen die Knie geklemmt, Felicia sitzt links von mir am Fenster, auf dem Boden vor uns steht unser Rucksack, den ich mit meinem linken Fuß immer wieder ausbremse, damit er nicht auf den Mann fällt, der uns gegenüber mit uns in dieser Vierergruppe sitzt. Mein Magen signalisiert, dass ihm die Fahrt nicht gefällt und irgendwie kann ich den wunderbaren Ausblick nicht genießen, da ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, kleinere Katastrophen zu verhindern.

Aber dann endlich: Sidi Ifni. Der Bus hält und ich bin mehr als froh, endlich aussteigen zu dürfen. Wir wollen zwei Nächte in Sidi Ifni bleiben und dann weiter nah Laayoune, um dort den männlichen Teil der Familie zu treffen. Damit wir auch sicher einen Platz im Bus bekommen, gehen wir zunächst ins CTM-Büro und kaufen unsere Busfahrkarten. Dort lasse ich mir dann auch erklären, wie wir zu unserer Unterkunft kommen.

Bei diesem ersten Besuch in Sidi Ifni habe ich das Tiwaline ausgewählt. Es ist vom Bus aus gut erreichbar und nah zum Zentrum gelegen, zum Strand ist es dafür etwas weiter zu gehen. Das ganze Haus ist in den Farben weiß und blau gehalten. Die Zimmer sind dabei eher schlicht, aber blitzsauber. Der Betreiber Michel ist sehr freundlich und hilft gerne bei allen Fragen weiter. Für zwei Übernachtungen (exkl. Frühstück) habe ich umgerechnet etwas über 50 Euro bezahlt. Außerhalb der Zimmer gibt es eine Art Salon (dort ist auch die Internetverbindung besser) und eine großzügige Dachterrasse (allerdings ohne besondere Aussicht).

Nachdem wir ausgepackt und uns etwas ausgeruht haben, wollen wir uns der Strand von Sidi Ifni anschauen. Dazu begeben wir uns zu Fuß (Sidi Ifni ist ein eher überschaubarer Ort) in den anderen Teil des Ortes, in dem neben Strand und Meer zahlreiche Bauten im Art-Déco-Stil darauf warten, von uns bewundert zu werden. Dort angekommen fällt auf, dass gleich sehr viel weniger Menschen auf den Straßen unterwegs sind.

Und schon stehen wir auf dem Platz vor dem Rathaus in der kleinen Grünanlage und sind umringt von Gebäuden, die Zeugen vergangener Zeiten sind. Teilweise ansehlich restauriert, andere dem langsamen Verfall preisgegeben liegen sie vor uns. Zuvor sind wir bereits an einem -seit langem nicht mehr in Betrieb befindlichen – Kino und dem einst legendären-und auch seit langem geschlossenen – Nachtclub „Twistclub“ vorbeigekommen.

Wir gehen die Strandpromenade mit ihren Cafés entlang und werfen einen ersten Blick auf das Meer unter uns. Die imposanten blau-weißen Treppen wirken beeindruckend und doch irgendwie zu monumental und dramatisch für diesen kleinen Strandort. Am Ende des Weges stoßen wir auf das wohl bekannteste Travellerhotel Sidi Ifnis, das Suerte Loca, was übersetzt soviel wie „Verrücktes Glück“ heißt. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass wir wenig später mit der ganzen Familie eine ganze Woche eben dort verbringen werden.

Von dort führt eine weitere große Treppe nach unten. Vorbei an den Einfahrten zu den Campingplätzen geht es dort endlich zum Strand. Die Begeisterung bei Felicia ist groß, dass es an diesem Sandstrand viele Steine und andere Materialien zum Bauen gibt. Auffällig ist, dass hier auch viele einheimische Familien unterwegs sind.

Als wir dann genug vom Strand haben, beschließe ich, das mir empfohlene Restaurant Nomad zu testen, welches sich ganz in der Nähe befindet. Wir werden nicht enttäuscht. Das Essen sieht nicht nur verdammt lecker aus, sondern schmeckt auch so köstlich, dass wir am nächsten Tag gleich wiederkommen werden.

Am nächsten Morgen wollen wir gleich wieder los Richtung Strand und verlegen unser Frühstück ins Suerte Loca. Ich sitze begeistert mit wunderbaren Ausblick draußen in der Sonne und genieße mein geröstetes Brot mit Olivenöl und Tomate, meine Spiegeleier, meinen frischgepressten Orangensaft und meinen Milchcafé, während Felicia sich in ihr süßes Frühstück vertieft.

Danach geht es noch einmal ausgiebig an den Strand. Eigentlich hatten wir überlegt, an diesem Tag zum Legzirastrand zu fahren, doch ich entscheide mich dann doch dafür, dieses Erlebnis im weiteren Verlauf mit der ganzen Familie machen zu wollen. Dass wir im Rahmen dieser Reise noch einmal nach Sidi Ifni zurückkehren werden, ist zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossene Sache.

Bevor wir uns zum Strand aufmachen reserviere ich ein Zimmer im Suerte Loca für Ende Januar und freue mich bereits zu diesem Zeitpunkt darauf, morgens nach dem Aufwachen diese unglaubliche Aussicht zu haben.

Nach dem kulinarischen Erlebnis vom Vortag statten wir dem Nomad noch einmal einen Besuch ab und Felicia freut sich insbesondere über den großen Eisbecher zum Nachtisch.

Ende Januar kehren wir dann noch einmal zu viert nach Sidi Ifni zurück (diesmal mit dem CTM-Bus von Laayoune aus kommend – 7 ½ Stunden Fahrzeit, 185 Dh pro Person). Zu Fuß gehen wir am Ankunftsabend vom CtM-Büro aus bis zum Suerte Loca und fallen nach unserer Ankunft erst einmal in das hauseigene Restaurant ein. Bei Kerzenlicht und Livemusik werden dort schmackhafte Gerichte zu günstigen Preisen serviert. Eine große Auswahl gibt es nicht, aber alles schmeckt – und was will man mehr. Besonders lecker sind die selbstgebackenen Kuchen, die – zusammen mit Kaffee oder Tee- einen gelungenen Abschluss des Essens darstellen.

Vom Balkon unseres Zimmers aus haben wir einen wunderbaren Meerblick. Das Zimmer selbst ist äußerst schlicht, verfügt aber über ein eigenes Bad. Kühl, um nicht zu sagen kalt ist es im Zimmer. Im Sommer sind die zu dieser Seite gelegenen Zimmer wohl ideal, da keine direkte Sonne dorthin kommt und sie so kühl bleiben. Dazu die Aussicht – top !

Im Januar mummeln wir uns allerdings dick ein und versuchen, den Aufenthalt im Zimmer auf die Schlafenszeiten zu beschränken. Im Suerte Loca gibt es Zimmer mit und ohne Bad zu günstigen Preisen, noch günstiger wird es im Schlafsaal (eigentlich mehr eine Art Nomadenzelt) auf der oberen Dachterrasse. (Wir haben 370 Dh zu viert ohne Frühstück bezahlt). Wer Luxus sucht, ist hier falsch. Aber die Lage und die Herzlichkeit der Betreiberfamilie Essaidi ist einmalig. Wir fühlen uns trotz der Kälte im Zimmer sehr wohl und würden auch wieder ins Suerte Loca fahren. Das nächste Mal dann aber vielleicht nicht im Winter.

Zum Hotel gehören eine Surfschule und ein kleiner Souvenirladen. Auf Nachfrage gibt es wirklich gute Tipps für Ausflüge und auf Wunsch wird auch ein Taxi organisiert. Mit Kindern ist es ein entscheidender Vorteil wirklich schnell am Strand zu sein. Der Billiardtisch und der Kicker im Restaurant sind auch begehrte Anlaufstellen für den Nachwuchs und ich darf konstatieren, dass meine Kickerfertigkeiten wohl noch ausbaubar sind.

Weil es schmeckt und weil es praktisch ist, essen wir während unseres zweiten Aufenthaltes in Sidi Ifni zumeist im hauseigenen Restaurant. Auch gefrühstückt wird dort. Felicia und Julius lieben neben Spiegeleiern insbesondere die verschiedenen Crepes, die bestellt werden können. Das Frühstück geht extra, aber es lohnt sich in jedem Fall und ist preiswert.

 

An zwei Abenden essen wir dann auch einmal im Zentrum. Sehr empfehlenswert ist das Restaurant Gran Canaria (neben Eingang zum Markt). Im Erdgeschoss befindet sich ein Café, zum Essen muss man ins 1. Obergeschoss aufsteigen. Es gibt hauptsächlich Pizza-und Nudelgerichte und frischen Fisch.

Von Sidi Ifni aus fahren wir zum Legzirastrand. Dies kann man gut mit einem Grand Taxi machen. Mit der Rückfahrt kann es dann manchmal etwas dauern,da dort keine Sammeltaxis stehen, sondern man in ein aus Richtung Mirleft/Tiznit kommendes Sammeltaxi zusteigen muss – oder per Anhalter fahren. Zu viert – darunter zwei Kinder- erscheint uns dies keine Option und so chartern wir ein durch die Unterkunft vermitteltes Taxi für uns alleine und vereinbaren mit dem Fahrer eine Abholzeit.

Wer gut zu Fuß ist, kann von Sidi Ifni aus auch dorthin laufen. Für uns ist dies -mit Blick auf die Lauffreudigkeit unseres Nachwuchses- auch keine Option.

Ich habe zuvor viele Bilder von diesem Strand gesehen und freue mich darauf, dies jetzt selbst erleben zu dürfen, wenn auch einer der beiden Felsbögen 2016 zusammengebrochen ist. Und dann stehen wir unten am Strand und sind geflasht von den Farben, von den Formen und überhaupt. Jetzt kann ich verstehen, warum manche Menschen alleine wegen dieses Strandes nach Marokko fliegen.

Wir bekommen irgendwann Hunger und fallen in eines der kleinen Strandrestaurants ein. Julius darf das Lokal aussuchen und seine Wahl fällt auf ein Lokal, in dem sonst niemand sitzt. Ich bin anfänglich skeptisch, aber wir geben seinem Wunsch nach und werden nicht enttäuscht. Das Essen schmeckt fantastisch und der Service ist sehr aufmerksam.

Ich bin froh, noch einmal nach Sidi Ifni zurückgekehrt zu sein. Und mit Sicherheit wird dies nicht unser letzter Besuch in Sidi Ifni gewesen sein.

Sidi Ifni ist übrigens von Agadir und Marrakesch aus direkt mit den Bussen von CTM direkt erreichbar.

Warst du schon einmal in Sidi Ifni und wie hat es dir gefallen ?

1 Kommentare

  1. Irmgard Balser sagt

    Hallo Felibrina,
    wir waren gerade 10 Tage in Sidi Ifni, auf dem CP EL Barko. Leider waren wir beide krank und haben kaum etwas von diesem hübschen Städtchen mitbekommen. Nur am letzten Tag zog es uns letztlich einmal die vielen Stufen hinauf und wir genossen einen Teil des weißblauen Städtchens. Auch das Suerte Loca haben wir war genommen und uns vorgenommen bei der nächsten Marokkoreise Sidi Ifni näher kennen zu lernen nebst dem Legzira Strand!
    Wir befinden uns langsam auf dem Weg zur Fähre,
    Euch noch eine schöne Zeit!
    Irmgard

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