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Eine Nacht in der Wüste am Erg Chegaga

Von Mhamid aus machten wir uns während unserer Winterreise auf zu einem Wüstencamp am Erg Chegaga.

Schnell haben wir Mhamid hinter uns gelassen und fortan wird es immer steiniger und vor allem sandiger. Zunehmend frage ich mich auch, wie man sich als Fahrer im Gelände orientiert, aber wir sind voller Zuvertrauen.

Obwohl man den unebenen Untergrund trotz guter Federung an einigen Stellen mehr als deutlich zu spüren bekommt, ist Felicia wieder einmal eingeschlafen. Wir anderen schauen erwartungsvoll aus dem Fenster und freuen uns auf unsere Nacht in der Wüste. Immer wieder kommen wir an Dromedaren vorbei, die teilweise in Gruppen, teilweise alleine mitten in der Landschaft herumstehen.

Da der Wind einige Verwehungen verursacht hat, müssen wir zum Ende der Fahrt hin mehrere Anläufe unternehmen, um den richtigen Weg zu finden.

Aber dann sind wir endlich da – unser Camp, das „Desertcamp Aladin“. Wir werden herzlich willkommen geheißen und zu unserem Zelt gebracht, dass neben Schlafgelegenheiten für uns vier sogar eine Dusche und eine Toilette bereithält. Wasser gibt es allerdings nur zu bestimmten Zeiten, über die wir gleich informiert werden.

Die Kinder finden es super und unterziehen natürlich gleich wieder die Betten einem Belastungstest. Im Essenszelt bekommen wir einen leckeren Tee und Nüsse serviert und sind schon jetzt sehr zufrieden mit dem Hier und Jetzt.

Irgendwann wird es aber Zeit aufzubrechen, um den Sonnenuntergang nicht zu versäumen. Und dann laufen wir über Dünen, bleiben immer wieder stehen und sind überwältigt. Es gibt wohl kaum einen schöneren und magischeren Ort als die Wüste. Dort wird alles bedeutungslos und es zählt nur der Moment. Ich möchte diese Stimmung in mich aufsaugen, abspeichern und mit nach Deutschland nehmen. Dieses unbeschreibliche Gefühl totaler Ausgeglichenheit und Ruhe. Und so wandeln wir eine ganze Weile umher und genießen das uns umgebende Naturschauspiel. Es ist nicht mein erster Besuch in der Wüste und doch überwältigt mich die Situation erneut.

 

Erfüllt von diesen Eindrücken nehmen wir sodann unser Abendessen ein und es schmeckt wunderbar. Vor allem die Harirasuppe, die es als Vorspeise gibt, ist ein Gedicht. Und es fällt auf, dass es sehr ruhig am Tisch ist, was untypisch für uns ist. Alle sind wir ganz mit der Szenerie beschäftigt, die uns umgibt.

Im Gegensatz zu den Kindern kann ich zunächst nicht einschlafen. Ich habe Angst, den Sonnenaufgang zu verpassen. Ich hatte bereits vor unserer Abfahrt geschaut, wann die Sonne am nächsten Morgen aufgehen soll, und stelle mir den Wecker. Nun kann auch ich beruhigt schlafen. Ich war in Sorge gewesen, dass es um diese Jahreszeit nachts im Zelt zu kalt werden könnte, aber auch diese Sorge ist völlig unbegründet, wie sich nun herausstellt.

Am Morgen kann ich nicht schnell genug aus dem Zelt hinaus. Die Kinder, die sonst oft zu unmöglich frühen Zeiten wachwerden, schlummern natürlich noch selig. So gehen wir zunächst alleine nach draußen und bleiben aber in der Nähe des Zeltes, damit wir ein aufwachendes und rufendes Kind hören können. Und wieder stehen wir inmitten dieser Landschaft und beobachten das Lichtspiel auf den Dünen, das diese in jedem Moment anders wirken lässt.

 

Ein Rufen durchdringt die Stille und wir wissen, unser Erstgeborener ist erwacht. Noch im Schlafanzug macht er sich auf den Weg zu uns. Ich gehe auf ihn zu und mit ihm zum Zelt, wo er sich wärmer anzieht und dann nichts wie zurück nach draußen.

Mit strahlenden Gesichtern kehren wir einige Zeit später zurück zum Zelt, machen uns bereit für den Tag und warten auf das Aufwachen unseres jüngsten Familienmitgliedes. Vor der Abfahrt gibt es dann noch ein üppiges Frühstück und mein Sohn stellt fest, dass wir in der Wüste alle viel ausgeglichener sind. Recht hat er. Vielleicht sollten wir viel öfter mal in die Wüste fahren und die Hektik des Alltags hinter uns lassen. Aber vielleicht gelingt es uns auch, ein wenig Wüstenstimmung mit zu uns nach Hause zu nehmen.

Eine Nacht in der Wüste ist ein Erlebnis – egal ob allein oder mit Familie. Ein Erlebnis, das jeder mindestens einmal machen sollte.

Unser Wüstenerlebnis haben wir in Mhamid im Hotel Chez le Pacha gebucht, wo verschiedene Camps und Touren angeboten werden.