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Jarjeer Mule and Donkey Refuge – auf den Esel gekommen

In meinem heutigen Artikel nehme ich euch mit an einen ganz besonderen Ort in der Nähe Marrakesch. Begleitet mich zum Jarjeer Mule and Donkey Refuge.

Unsere Fahrt zum Refuge

Es ist Sonntagvormittag und wir suchen in Marrakesch eine Bushaltestelle, nämlich die für die Linie 45 Richtung Amizmiz. Den Bussteig Sidi Mimoun unweit der Koutobiamoschee haben wir schnell gefunden, aber es fehlt an jedem Hinweis auf „unsere“ Linie.

Zwischen den Wartenden vor Ort entdecken wir dann einen Mitarbeiter der Busgesellschaft ALSA, der uns bestätigt, dass der Bus dort abfährt. Und so warten wir weiter.

Einige Busse später – bei allen anderen wurde uns auch sogleich signalisiert, nicht einzusteigen – fährt der Bus der Linie 45 vor. Wir bekommen auch noch das offizielle Signal, dass dies nun „unser“ Bus ist und gute Reisewünsche mit auf den Weg. Der Bus ist leer, als das Einsteigen beginnt. Als sich die Tür des Busses öffnet, ist es schlagartig mit der Ruhe und Gelassenheit der Wartenden vorbei. Alle drängen in den Bus hinein, als ob nur ein unmittelbares Entkommen die Rettung aus auswegloser Situation sein könnte. Ein Kleinkind wird zur Tür hindurch- und in den Bus hineingereicht. Rechts von mir hebelt sich noch ein Mann mittleren Alters unter Ellenbogeneinsatz in den Bus hinein.

Als ich meine 6 Dh für die Fahrt bis nach Oumnass bezahlt habe und mir, nachdem ich den Fahrer gebeten habe, uns zu sagen, wenn wir dort sind, einen Platz suche, ist der Bus noch halb leer.

Meine Schwester, die mich an diesem Wochenende begleitet, zeigt sich verwundert angesichts der Szenen vor dem Bus. Ich habe dies auf meinen Reisen in Marokko schon oftmals erlebt und bin eher amüsiert. Im Internet finde ich den Fahrtverlauf der Linie 45. Schnell zeigt sich, dass dies nur von geringem Nutzen ist, denn kaum eine der Haltestellen ist als solche erkennbar, insbesondere, nachdem wir das Stadtgebiet verlassen haben. Irgendwann hält der Bus erneut und der Fahrer bedeutet uns, dass dies nun unsere Zielhaltestelle ist. Irgendwo im Nirgendwo, so sieht es hier aus. Erwartet hatte ich eine kleine Ortschaft, stattdessen stehen wir mit unseren Rucksäcken irgendwo im Grünen an der Straße.

Wir haben mit Susan vom Jarjeer Mule and Donkey Refuge unser Kommen an diesem Tag abgesprochen, aber keine konkrete Uhrzeit vereinbart. Ich wähle Susans Nummer und sie nimmt auch gleich ab und kümmert sich um alles Weitere. Nach kurzer Wartezeit fährt ein Auto des Refuge vor und los geht es noch weiter ins Grüne.

 

Angekommen im Refuge

Nur kurze Zeit später passieren wir die Tore des Refuge und parken auf dem Gelände. Der Empfang dort kann nur als stürmisch bezeichnet werden. Eine nicht ohne Weiteres zu überschauende Zahl an Hunden hat sich eingefunden und begrüßt uns freudig und unüberhörbar.

Wir erhalten Gelegenheit, unsere Rucksäcke abzustellen und werden dann von Susan persönlich begrüßt, die uns nun das Refuge und seine Bewohner zeigen wird.

Das Projekt

Susan Machin und Charles Hantom, zwei ehemalige Anwälte aus Großbritannien mit einer schon länger bestehenden Liebe zu Marokko, kamen vor einigen Jahren nach Marokko, um hier ihren Ruhestand zu verbringen.

Auf dem Land, auf dem heute das Refuge untergebracht ist, bauten sie eine Villa und planten ursprünglich, Unterkünfte für Touristen zu errichten. Es kam jedoch anders, als die beiden ursprünglich geplant hatten und es wurde ihnen klar, dass die Beherbergung von Touristen nicht das war, was sie in den nächsten Jahren tun wollten.

Durch einen Kontakt zu SPANA, einer Tierschutzorganisation, die auch in Marrakesch vertreten ist, kam Tommy als erster Esel zu den beiden. Von diesem Augenblick an änderte sich das Leben von Susan und Charles und Stück für Stück entstand das, was heute das Refuge ausmacht. Von der Pike auf lernten sie alles über Esel, bauten das Gelände aus und banden die örtliche Bevölkerung in das Projekt ein.

Über die Jahre entstand ein Ort, an dem Esel, Maultiere und auch Hunde einen Platz finden, an dem ihnen Liebe und Respekt entgegengebracht wird. Die Versorgung einer zunehmenden Zahl von Tieren, nicht nur mit Futter, sondern insbesondere auch die medizinische Betreuung, bringt monatliche hohe Kosten mit sich.

Anfänglich haben die beiden Gründer diese Beträge allein aus ihren Pensionen bestritten. Heute ist das Projekt auf Spenden angewiesen, damit diese wundervolle Arbeit fortgesetzt werden kann.

Im Jarjeer Mule and Donkey  Refuge werden alte Tiere, verwaiste Tiere und behinderte Tiere aufgenommen. Viele von Ihnen haben Schreckliches erlebt, bevor sie -oft gerade noch rechtzeitig- den Weg ins Refuge finden. Besucher sind willkommen und können sich vor Ort ein eigenes Bild machen, was der respektvolle Umgang mit Tieren bewirken kann.

 

Unterwegs im Refuge

Auf unserem Rundgang stellt uns Susan fast jedes Tier einzeln vor und erzählt uns seine Geschichte. Ihre Liebe für ihre Schützlinge ist deutlich spürbar, es wir geknuddelt und gestreichelt und es ist ihren Augen anzusehen, dass ihr das Ganze selbst nicht nur viel bedeutet, sondern sie auch mit Freude erfüllt.

Die Stimmung in den Stallungen und auf dem Freigelände ist ausgeglichen und friedvoll. Alle Tiere, die wir treffen, reagieren trotz ihrer teilweise sehr negativen Erfahrungen positiv auf unseren Besuch. Und so geraten auch wir schnell in den Streichelmodus. Als wir uns zu den Jungtieren aufmachen, lassen die „alten Herren“ nebenan ihre Stimmen ertönen, als wollten sie sagen „Vergesst nicht, bei uns vorbeizuschauen“. Das machen wir dann auch ausgiebig und verbringen den wohl größten Teil unseres Aufenthalts im Refuge bei den „old boys“, die es mir sofort angetan haben.

Um uns herum ist derweil das Team wieder zugange und versorgt die tierischen Bewohner. Auch hier sieht man wieder, dass die Interaktion zwischen Mensch und Tier stimmt. Es wird gealbert, gestreichelt und liebevoll versorgt.

 

Gegen Ende unseres Besuches lernen wir dann auch noch Charles kennen, der uns auch noch einige Hintergründe zur Entstehung des Refuge erzählt.

Als wir uns verabschieden, spüre ich bereits, dass dieses Erlebnis für mich besonders bleiben und mich noch intensiv beschäftigen wird.

Meine Bitte an euch

Es ist mir ein Anliegen, eure Aufmerksamkeit auf dieses wundervolle Projekt zu lenken, das alle nur mögliche Unterstützung verdient hat. Vielleicht schafft ihr es ja bei einer Marokkoreise selbst auch einmal, dort vorbeizuschauen. Gegebenfalls kann auch eine Abholung in Marrakesch arrangiert werden.

Alle Informationen zum Projekt findet ihr hier. Auf der Webseite könnt ihr auch spenden. Eine schöne Idee finde ich auch die Möglichkeit, eine Art Patenschaft für ein bestimmtes Tier zu übernehmen. Auch dazu gibt es alle weiteren Informationen auf der Webseite des Refuge.