Amtoudi, Neuester Artikel, Versteckte Juwelen

Amtoudi – ein Ausflug ins Paradies

Es gibt Orte, die berühren das Herz. In Marokko gibt es davon einige. In meinem heutigen Artikel stelle ich euch einen ganz besonderen Ort in der Provinz Guelmin vor – Vorhang auf für Amtoudi.

Amtoudi ist ein Berberdorf mit ca. 1000 Einwohnern. Viele der Einwohner gehören zum Berberstamm der Id Aissa.

Hinkommen

Um dort hinzukommen haben wir ausnahmsweise mal keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, sondern sind von Sidi Ifni kommend mit dem Taxi unterwegs. Wir brechen am frühen Morgen auf und wollen zum Frühstück in Amtoudi ankommen.

Es ist wohl allgemein schwierig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln – eventuell Sammeltaxis- dorthin zu gelangen. Es werden aber Ausflüge ab Agadir angeboten. Wer nicht gerne mit ganzen Wagenladungen fremder Menschen unterwegs ist und den Ort ohne Massenandrang erleben möchte, findet in seinem Ausgangsort oder mit Hilfe der Unterkünfte vor Ort eine Möglichkeit, einen individuellen Transport zu vereinbaren.

Wir haben für ein Taxi für uns alleine (eine Fahrtstrecke ca. 3 Stunden) 800 Dh bezahlt und haben dies über unsere Unterkunft in Sidi Ifni organisiert.

Dort hatte man mir auch einen Zettel mit einer Telefonnummer und dem Namen einer Herberge in die Hand gedrückt. Als wir uns Amtoudi nähern, haben wir alle langsam Hunger und freuen uns auf das Frühstück. Da wir den Ort nicht kennen und auch unser Fahrer zum ersten Mal dort ist, bitten wir ihn, in der Herberge anzurufen und anzufragen, ob wir dort frühstücken können. Bei der Gelegenheit lässt er sich auch gleich den Weg erklären.

Frühstück im Paradies

Wenig später halten wir vor dem Eingangstor zu der Auberge L’ombre d’Arganier. Wir steigen aus dem Auto und fühlen uns ein wenig, wie in ein Postkartenidyll hineingeraten. Um uns herum grünt und blüht es. Wir betreten den Innenhof und werden willkommen geheißen. Auch an diesem Morgen zeigt sich, dass der Winter in diesem Jahr kühler in Marokko ist, als üblich. Die obere Ebene, da wo die Wäscheleinen zum Trocken gespannt sind, ist schon in Sonne getaucht. Und so werden kurzerhand Tisch und Stühle nach oben in die Sonne getragen. Wenig später steht eine große Kanne dampfenden Tees auf dem Tisch, gefolgt von Unmengen Brot und Schalen mit Konfitüren und Amlou (Brotaufstrich aus Mandeln, Arganöl und Honig).

 

Beherzt greifen wir zu und freuen uns an dem Ausblick, der sich uns bietet. Nach einem einfachen, aber wunderbaren Frühstück, legt sich unser Fahrer eine Runde zum Schlafen hin und wir brechen auf, um die Gegend zu erkunden. Vor Ort haben wir einen Guide samt Esel rekrutiert, der uns die Umgebung zeigen soll.

Agadir Id Aissa

Unser erster Weg führt uns zur Speicherburg , dem Agadir Id Aissa. Angeführt wird unsere Gruppe von unserem Guide und Julius auf dem Esel, wir anderen trotten hinterher. Es geht stetig bergauf, die Strecke ist aber gut zu bewältigen.

Als wir oben an der Speicherburg ankommen, löst sich ein , von mir bis dahin nicht wahrgenommener, alter Mann aus den Felsen und schließt uns den Eingang zum Agadir auf. Am Portal fällt auf, dass dort eine Handynummer angeschrieben ist, für den Fall, dass der Wächter gerade einmal nicht zugegen ist.

Wir haben an diesem Tag die Speicherburg ganz für uns alleine und sind fasziniert von dem, was es alles zu entdecken gibt. Nur mit Mühe können wir die Kinder davon abhalten, in jeden noch so kleinen Winkel hineinzukriechen und überall hochzuklettern. Von hier oben bieten sich auch wunderbare Ausblicke auf das Tal.

Das Gebäude ist ebenso imposant wie geschichtsträchtig, es ist die älteste Speicherburg Marokkos. In Krisenzeiten diente sie nicht nur zur Aufbewahrung der Lebensmittel, sondern bot auch der Bevölkerung eine Zufluchtsmöglichkeit. Einige interessante Teile sind nur über Trittstufen zu erreichen – und so komme auch ich ein wenig ins Klettern.

 

Was es sonst vor Ort zu sehen gibt

Wieder zurück im Dattelpalmenhain, schweifen wir noch ein wenig umher und können von unten die zweite Speicherburg bestaunen, den Agadir Alleoy, der hoch auf einem Felsvorsprung thront.

Neben viel Grün dominieren Stein – und Felsenwände die Szenerie . Wir befinden uns in einer Schlucht, durchzogen von einem –nahezu ausgetrockneten- Fluss und endlos erscheinenden Bewässerungskanälen.

Es ist unglaublich schön hier und wir können unser Glück kaum fassen, dieses Paradies in diesem Moment quasi für uns allein zu haben. Und so spazieren, staunen, lauschen und betrachten wir, bis sich wieder Hunger breit macht.

Mittagessen und Rückkehrpläne

Langsam machen wir uns auf den Rückweg zur Auberge , wo ein Mittagessen auf uns wartet. Mittlerweile ist auch der Innenhof sonnenbeschienen und unser Fahrer wieder erwacht. Gemeinsam sitzen wir hochzufrieden um den Tisch und lassen uns das Essen schmecken.

Jetzt bin ich noch neugierig und lasse mir von dem Betreiber der Auberge, Abdoul, noch die Zimmer zeigen. Es ist malerisch hier und ich bin verliebt in diesen Ort und so wird es zum festen Plan, hierher noch einmal zurückzukommen und für ein paar Nächte zu bleiben, um mich anstecken zu lassen, von der Ruhe und Gelassenheit .

Ich bin sicher, ihr habt jetzt auch richtig Lust darauf bekommen, Amtoudi selbst zu besuchen. Es liegt ziemlich abseits des Weges, aber der Umweg bzw. die lange Anfahrt lohnt sich auf jeden Fall.