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Spaziergang nach Volubilis

Bei meinem Besuch in Moulay Idriss im letzten Jahr war es so heiß, dass Felicia und ich den Weg nach Volubilis nicht auf uns genommen haben. Diesen Spaziergang nach Volubilis habe ich nun in diesem Sommer gemeinsam mit meinem Mann nachgeholt. Die ganze Aktion verlief etwas anders, als wir das geplant hatten, aber wir hatten sehr viel Spaß.

Volubilis ist von Moulay Idriss aus über eine Straße mit tollem Panorama in etwas über einer Stunde erreichbar. Wir stiegen gegenüber vom Postamt eine kleine Treppe herab und durchquerten bergan einen Friedhof, bis wir auf der Straße ankamen. Der Bereich neben der Straße, der wir nun nach links folgten, ist breit genug, um dort bequem laufen zu können. Die Aussicht auf Moulay Idriss war fabelhaft und wir trafen unterwegs auf Fußgänger und Autofahrer, die uns nahezu alle in ein Gespräch verwickelten. An eine Stunde Wegzeit war schnell nicht mehr zu denken.

In der Hand hielt ich eine Wegskizze, die mir in unserer Unterkunft Dar Zerhoune mitgegeben worden war. Und irgendwie haben wir gegen Ende des Weges einen Fehler gemacht, der uns ein unvergessliches Erlebnis bescheren sollte.

Wir standen irgendwann an dem Zaun, der das Besuchergelände von Volubilis umgibt. Nur leider, leider auf der falschen Seite des nicht eben kleinen Areals. Zurückgehen zur Straße wollten wir nicht und so beschlossen wir kurzerhand, durch die Felder am Zaun entlang zu laufen.

Auf den ersten Metern schien dies keine besondere Herausforderung zu sein, aber nach und nach wurden die Ähren, Blumen, Hecken und Disteln um uns immer höher. Unvermutet führte mancher Schritt tiefer als gedacht. Brennnesseln und pieksende Halme hinterließen ihre Spuren. Kaum hatte ich zu Helmut gesagt, dass er schauen solle, wohin er tritt (ich dachte an Schlangen), huschelte eine Landschildkröte vor mir entlang.

Umkehren war längst keine Option mehr und so arbeiteten wir uns weiter vor. Irgendwann standen wir vor einem kleinen Wasserlauf. Also zogen wir die Schuhe aus und wateten durch das Wasser.

Auf der anderen Seite ließen wir uns am Wegesrand auf einer Mauer wieder und bestaunten die Spuren der durchquerten Felder, die wir noch an uns trugen. Nachdem die Füße abgetrocknet und die Schuhe wieder angezogen waren, liefen wir weiter Richtung Eingang. Der Weg war jetzt viel leichter zu bewältigen – aber eben auch nicht halb so spannend.

Am Kassenhäuschen angekommen zahlten wir 10 Dh pro Person und bekamen einen kleinen Übersichtsplan ausgehändigt. Nach Betreten der Anlage gelangt man zunächst zu einem modernen Bau, der Ausstellungsräume und die Toiletten beherbergt. Letztere waren nach unserem doch etwas längeren Anmarsch für uns die erste Anlaufstelle.

Draußen wurden wir von zahlreichen Guides erwartet die jeweils anboten, uns durch die Anlage zu führen. Darauf hatten wir aber keine Lust und setzten auf einen Alleingang mit der kleinen Übersichtskarte.

Volubilis ist die älteste römische Ausgrabungsstätte  in Marokko und seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wurde etwa 25 n.Chr.gegründet und war Hauptstadt der Provinz Mauretania Tingitana.Als die Berber die Stadt eroberten, benannten sie sie in Oualili um.

Erste Ausgrabungen gab es bereits um 1915, der erste entscheidende Fund kam aber erst in den frühen 1960er Jahren.

Vier Villen mit wunderbaren Mosaiken wurden freigelegt und eindrucksvolle Bögen und Säulen prägen das Bild.

Die ideale Zeit zum Entdecken der Ausgrabungen ist wohl eher früh am Morgen. Wir waren aber auch in den heißen Mittagsstunden begeistert. Geöffnet ist von 8 Uhr bis Sonnenuntergang.

Am Parkplatz gibt es ein kleines Café und es stehen Taxis bereit. Der ein oder andere Bauer nimmt auch schon mal Spaziergänger auf der Pritsche mit.

Wer in Meknès oder Moulay Idriss ist, sollte auf jeden Fall den Abstecher nach Volubilis machen.