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Larache – Liebe auf den ersten Blick

[Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung]Ich habe bei meinen Reisen in Marokko keinen anderen Ort kennengelernt, der mich mehr berührt hat als Larache. Und ich habe bereits viele ganz wunderbare Orte überall in Marokko erkunden dürfen.

Mit Larache war es anders. Ich stieg an einem staubigen Platz aus dem Grand Taxi und lief los. Schon nach kurzer Zeit liefen mir die Freudentränen in Strömen die Wangen hinunter. Völlig überwältigt von diesem unerwarteten Gefühlsausbruch,  stand ich wenig später auf der Place de la Libération drehte mich um mich selbst und war begeistert von all den schönen Gebäuden um mich herum. Strahlen über das ganze Gesicht und weitere Freudentränen wechselten sich ab.

 

Um meinen schweren Rucksack loszuwerden ging ich zunächst ins „Gran Hotel España“, wo ich für diese Nacht ein Zimmer reserviert hatte. Und dann machte ich mich erst einmal auf, um Larache zu erkunden. Vom Platz aus, der von Cafés und Restaurants gesäumt ist und in dessen Mitte man sich an Brunnen niederlassen kann, sind es nur wenige Schritte, bis man aufs Meer blicken kann.

Ebenso kann man vom Platz direkt in die Gassen der Medina abtauchen und sich die Treppen hinunter zum Hafen treiben lassen.

 

Dort raucht es an allen Ecken und die Tische der kleinen Restaurants biegen sich unter Tellern voll mit frischem Fisch und Meeresfrüchten. Ich betrat das Hafengelände und kam vorbei an zahlreichen kleinen Ständen, an denen die Fischer ihren Fang verkauften. Für jemanden wie mich, der Fisch und Meeresfrüchte liebt, ist Larache ein Paradies.

 

Der Strand von Larache ist fußläufig über eine Art Damm erreichbar und war jetzt im August gut befüllt. Mir stand der Sinn aber mehr nach einem Glas Tee und so ließ ich mich in einem der Cafés  am Hang neben der portugiesischen Festung nieder.

Wunderbar war es auch, gleich zu Beginn Street Art in Larache zu entdecken. Die meisten Werke befinden sich auf dem Platz, den man erreicht, wenn man von der Place de la Libération die Medina betritt und sich dann nach rechts wendet.

 

Nach diesem ersten Rundgang ging ich zurück ins Hotel, um mein Zimmer zu beziehen. Zimmer 32 ist ein Zimmer im zweiten Stock mit großem Balkon zur Place de la Libération, dem öffentlichen Wohnzimmer Laraches. Und zudem hat man vom Balkon sogar ein wenig Meerblick. Die Einrichtung war schlicht, aber die Betten sollten sich als äußerst bequem erweisen. Es gab eine Klimaanlage und eine Heizung-je nach Jahreszeit, einen Fernseher, eine große Dusche mit guter Warmwasserversorgung und gutem Wasserdruck und eine Vielzahl flauschiger Handtücher. Ich fühlte mich in diesem Zuhause auf Zeit sofort wohl und hätte zentraler in Larache kaum wohnen können.

Nach einer ausgedehnten Siesta durchstreifte ich noch einmal die Medina. An diesem ersten Abend zog Nebel auf, und so wurde es nichts mit dem Sonnenuntergang, den ich mir am Meer anschauen wollte. Gleichwohl war es bereits dunkel, als ich zur Place de la Libération zurückkehrte, wo mich  das pralle Leben erwartete. Die Springbrunnen waren bunt beleuchtet und überall auf dem Platz und in den Cafés saßen Menschen. Es wurde Musik gespielt und viel gelacht.

Ich entschied mich für einen Besuch im Gran Café Lixus, dass in unmittelbarer Nähe zu meinem Hotel lag und wählte einen Tisch draußen in der ersten Reihe. Das Café, das seit 1920 geöffnet ist, zeichnet sich bereits durch eine beeindruckende Architektur und Inneneinrichtung aus. Ich wählte eine Fischplatte für 70 Dh und ein stilles Wasser (Alkohol wird nicht ausgeschenkt). Es schmeckte wirklich wunderbar, aber die Portion war schlicht nicht zu bewältigen. Satt und zufrieden kehrte ich ins Hotel zurück, wo ich wunderbar schlafen sollte.

 

Am nächsten Morgen erwachte ich mit dem dringenden Wunsch, Larache nicht zu verlassen. Ich war schockverliebt in diese Stadt am Atlantik und wollte noch nicht wieder weiterreisen. Eigentlich sollte ich an diesem Tag nach Tanger fahren, doch langsam reift der Entschluss zu bleiben. Ich sagte also meiner Unterkunft in Tanger ab und verlängerte an der Rezeption meinen Aufenthalt. Die direkt gebuchte Nacht war dann auch überdies 90 Dh günstiger als die erste- über ein Buchungsportal gebuchte- Nacht. Bevor ich diesen Schritt gegangen war, über den ich trotz aller Zusatzkosten, noch immer mehr als froh bin, genoss ich ein wunderbares Frühstück mit Blick auf den Platz.

 

Nachdem ich zuvor im Internet herausgefunden hatte, dass es einen CTM Bus von Larache nach Fès gibt, machte ich mich auf dem Weg zum Busbahnhof, um ein Ticket (95 Dh) für den nächsten Tag zu kaufen. Dort angekommen musste ich mir sagen lassen, dass für den nächsten Tag bereits alle Sitzplätze ausverkauft waren. Ich beschloss, dieses Problem auf später zu vertagen und mir lieber noch ein wenig die Stadt anzusehen.

Überall in Larache gibt es Bauten, aus deren Innersten noch der Glanz vergangener Zeiten strahlt, die aber mehr und mehr verfallen. An einigen konnte ich mich überhaupt nicht sattsehen und ich malte mir aus, wie es wohl sein würde, wenn sie restauriert würden. Leider verfüge ich weder über die Finanzen, noch das handwerkliche Geschick, ein solches Unterfangen anzugehen.

Ich ging querfeldein durch die Stadt und stand irgendwann vor der Markthalle, die ihrerseits durch ihre Architektur beeindruckt. Ich ließ mich treiben in den verschiedenen Gängen zwischen Obst, Gemüse und Haushaltswaren und bestaunte die Auslage.

 

Auf dem Rückweg machte ich Station in einem kleinen Café am Meer und war rundum zufrieden. Die heißen Stunden des frühen Nachmittags nutze ich abermals für eine ausgedehnte Siesta. Danach brach ich noch einmal in die Medina auf und lief treppab und treppauf durch die Gassen.

Diesmal bekam ich einen wunderbaren Sonnenuntergang am Meer zu sehen. Ich saß zwischen zahlreichen Menschen und Ständen mit gegrillten Maiskolben und anderen Leckereien auf einer Mauer an der Promenade und sah zu, wie sich der Himmel über dem Meer verfärbte.

Ähnlich wie das Hotel España war auch das Grand Café Lixus einer meiner Wohlfühlorte geworden, und so nahm ich auch mein zweites Abendessen dort ein.

Danach saß ich noch lange auf meinem Balkon und betrachtete das muntere Treiben auf dem Platz.

Zuvor hatte ich noch die Transportfrage gelöst. Ich reservierte über die Rezeption ein Taxi nach Ksar El Kebir und löste später von dort eine Zugfahrkarte nach Fès.

Am nächsten Morgen ließ ich es langsam angehen und frühstückte in aller Gemütlichkeit mit Blick auf den Platz bevor mein Taxi kam und der endgültige Abschied von Larache anstand.

In diesen zwei Tagen in Larache traf ich nur sehr wenige andere europäische Touristen. Im Straßenbild fiel ich mit meinen blonden Haaren ganz klar auf, ein Blaulicht mit Sirene hätte nicht viel Unterschied gemacht. Ich wurde häufig interessiert angesprochen, aber niemals in der Absicht, mir etwas zu verkaufen oder ähnliches. Die Kommunikation lief überwiegend in Spanisch, teilweise auf Französisch.

Dass Larache so wenig touristisch ist, ist Chance und Herausforderung zugleich für jeden Besucher. Ich habe die Tage abseits der Touristenströme genossen.

Larache kann man von Asilah aus für 20 Dh mit dem Grand Taxi erreichen. Von Tanger aus geht es per Bus (CTM 35-40 Dh und diverse andere Gesellschaften) oder Grand Taxi. CTM fährt mehrmals täglich nach Fès (95 Dh).

Eine Unterkunft könnte nicht besser gelegen sein, als das Hotel España. Das Hotel hat auch sonst in jeder Hinsicht, vor allem durch das freundliche Personal, überzeugt. Zimmer gibt es für weniger als 30 Euro. Für mein Balkonzimmer mit Meerblick habe ich inklusive Frühstück 360 Dh bezahlt.

Larache war für mich eine sehr emotionale Erfahrung. Ich habe ein Gefühl des Angekommenseins und des Glücks verspürt. Larache hat mich tief beeindruckt und begeistert. Ich bin dankbar, dass ich diesen Ort kennenlernen durfte.