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Tamesloth – zwischen Kasbah und Streetart am Rande der Agafaywüste

[Unbezahlte Werbung durch Nennung und Beschreibung einer Unterkunft]

Die Vorgeschichte

Manchmal ist es der Zufall, der uns an wunderschöne Orte in Marokko bringt. Bei unserem letzten Kurztrip im November wollten wir endlich den Endpunkt der Linie 45 von Marrakesch aus – den Ort Amizmiz – erkunden. Auf dem Weg dorthin planten wir bei Jarjeer Mule and Donkey Refuge in Oumnas Station zu machen, damit Felicia endlich auch einmal die Esel in Augenschein nehmen sollte, von denen ich ihr schon so viel berichtet hatte.

Der eigentliche Plan sah außerdem vor, am Samstagabend in Marrakesch zu übernachten und uns am Sonntag mit dem Bus 45 ab Sidi Mimoun auf den Weg zunächst nach Oumnas und später nach Amizmiz zu machen. Da ich im Moment eher auf der Suche nach Ruhe bin, fasste ich spontan den Entschluss, außerhalb von Marrakesch zu nächtigen. Ich rief im Internet die Fahrtroute des Busses 45 auf und stieß dabei auf Tamsloth das noch vor Oumnas lag und daher perfekt in unsere Planung passte.

Eine Internetrecherche zu Tamsloth brachte nicht allzu viele Ergebnisse. Wir erfuhren, dass es eine sehenswerte Kasbah gab. Außerdem entdeckte ich Hinweise auf Streetart. Mein Interesse war geweckt. Die weitere Recherche brachte mich auf unsere spätere Unterkunft, das „La Parenthèse de Marrakech“. Da wir erst am frühen Abend in Marrakesch landen würden, verabredeten wir eine Abholung vom Flughafen.

Wir hatten großes Glück bei der Einreise, da Felicia beim Flughafenpersonal auf Mitleid stieß und wir die große Schlange an der Einreisekontrolle verlassen und uns an einer wesentlich kürzeren Schlange einreihen durften. Von dort wurden wir noch einmal wegzitiert in eines der an der Seite gelegenen Polizeibüros. Dort riefen die vielen marokkanischen Ein-und Ausreisestempel  in unseren Pässen beim Beamten ein strahlendes Lächeln hervor und binnen kürzester Zeit konnten wir die Kontrolle hinter uns lassen.

Draußen wurden wir bereits erwartet, wenngleich unser Fahrer mit unserem tatsächlichen Erscheinen aufgrund des Aufkommens an Reisenden erst sehr viel später gerechnet hätte. Als wir losfuhren, war die Sonne bereits untergegangen und ich versuchte auf der Fahrt aus dem Auto heraus Punkte auszumachen, die ich schon von unseren Busfahrten kannte. Wir erreichten Tamesloth, durchquerten den Ort und fuhren noch eine ordentliche Strecke auf nahezu unbefestigten Wegen.

Unsere Unterkunft

Angekommen in unserer Unterkunft wurden wir sehr herzlich empfangen. Alles war wunderbar beleuchtet und sah warm und einladend aus. Wir erfuhren, dass wir in dieser Nacht die einzigen Gäste sein würden. Wir hatten die Wahl zwischen zwei verschiedenen Zimmern und ich überließ die Auswahl Felicia, die ganz klare Präferenzen hatte. An ihrer Wahl gab es auch nichts zu meckern.

Am Feuer des Kamins wurde uns im Restaurant noch ein leckeres Abendessen serviert und Zufriedenheit breitete sich nach der langen Anreise aus. Ich erfuhr auch, dass man mit einem Paar gerechnet und deshalb Fahrräder bereitgestellt habe. Ich erzählte von unseren Plänen, Tamsloth zu besichtigen und dann nach Oumnas weiterzufahren. Sofort wurde uns angeboten, uns am nächsten Morgen nach dem Frühstück in den Ort zu bringen. Außerdem wurde ein Taxi organisiert, dass unser Gepäck abholen und uns in Oumnas nach unserem Rundgang aufnehmen würde.

Wir schliefen tief und fest in unserem bequemen und großen Bett und ich war gespannt, wie all dies bei Tageslicht aussehen würde. Zu Sonnenaufgang öffnete ich unsere Zimmertür und trat nach draußen. Direkt vor der Tür standen in einem Innenhof Bananenstauden. Das Licht war wunderbar und ich machte einen kleinen Rundgang, wobei ich in Rufnähe zu Felicia blieb, die –wie es zu dieser Zeit bei ihr üblich ist- noch seelig und tief schlummerte.

Welch ein Anblick der umliegenden Natur und der schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges im Hintergrund. Die ganze Anlage integriert sich perfekt in die umliegende Natur und vermittelte auch im Morgenlicht ein Gefühl wohliger Behaglichkeit.

Rechtzeitig zum Frühstück erhob sich auch Felicia aus den Federn und war begeistert von der Gartenanlage und vor allem dem Pool. Erst einmal aber wurde uns ein wunderbares Frühstück serviert. Danach wollte Felicia zum Pool und vollführte eine Art Wassertreten mit Storchenschritten, was sehr spaßig anzusehen war.

 

Spaziergang in Tamsloth

Wir wurden dann in den Ort Tamsloth gefahren und uns der spätere Treffpunkt mit unserem Fahrer gezeigt. Wir sollten ihn an der Post treffen. Dort ganz in der Nähe hält übrigens auch der Bus der Linie 45.

Nachdem wir grob wussten, in welcher Richtung die Kasbah lag, ließen wir uns durch den Ort treiben. Es war sehr untouristisch und das war gut so. Wir wurden neugierig beäugt und auch immer wieder angesprochen. Schließlich kamen wir aus den Gassen mit den Geschäften heraus und standen vor Feldwegen. Wir kletterten beide auf einen großen Stein und hielten Ausschau.

Die Kasbah war zu sehen, aber ich wusste nicht genau, wie wir dort hingelangen würden. Ich hatte eine vage Ahnung und so gingen wir ein Stück des Weges zurück und bogen in einen unscheinbaren Torbogen ein, aus dem wir schon mehrere Menschen hatten heraustreten sehen. Mein Gefühl erwies sich als richtig.

Als wir in der Kasbah waren, öffnete sich schließlich ein Tor und ein Mann begrüßte uns und bot uns an, das Innere der Gebäude und die Terrassen zu zeigen. Wir nahmen das Angebot an und machten uns mit ihm auf den Weg. Immer weitere Treppen nehmend bewegten wir uns in dem Gebäudekomplex und erlebten architektonische Schönheit und Verfall zugleich. Es musste Unsummen kosten, diese Gebäude zu erhalten. Von den Terrassen hatte man einen traumhaften Blick auf das Atlasgebirge. Wir bekamen Tee angeboten und immer wieder wurde unser Augenmerk auf einzelne Details gelenkt.

Ich freute mich an der Schönheit dieses Ortes und der Freundlichkeit der Menschen. Niemand fragte nach Geld, aber im Hinblick auf die Kosten, die die Erhaltung dieser Mauern wohl mit sich bringt, drückte ich unserem Gastgeber beim Abschied 100 Dirham in die Hand und versprach nicht nur, mit meiner ganzen Familie wiederzukehren, sondern auch, über die Schönheit dieses Ortes zu sprechen.

Ich wollte nun gerne noch ein wenig von der Streetart sehen, auf die ich im Internet Hinweise gefunden habe. Am Abend zuvor meinte ich aus dem Auto heraus ein Mural gesehen zu haben und lief in diese Richtung. Wir wurden fündig und Felicia hatte schnell den alten Mann mit dem lila Bart zu ihrem Favoriten erkoren.

Leider drängte unsere Zeit und wir machten uns auf den Weg zur Post. Dort trafen wir unseren Fahrer, der bereits unser Gepäck verladen hatte und uns nun nach Oumnas fahren würde.

Fazit

Das nächste Mal wollen wir zum Markttag am Freitag nach Tamsloth. Wir haben den Marktplatz gesehen und ich stelle mir das sehr schön und authentisch vor. Außerdem soll es einige interessante Künstlerwerkstätten geben. Mit mehr Zeit werden wir sicherlich auch den Bus 45 nehmen, nachdem wir nun wissen, dass er im Ortszentrum hält.

Tamsloth ist ein lohnender Ausflug von Marrakesch aus, es gibt eine Menge zu entdecken und die kleine Stadt vermittelt einen direkten Eindruck marokkanischen Alltagslebens. Dazu gibt es tolle Natur und eine Wahnsinnsausblick auf das Gebirge.