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Liebe ist stärker als Angst – warum Marokko für uns auch nach der Tat von Imlil noch immer ein sicheres Reiseland ist

In den letzten Tagen erreichen mich vermehrt Anfragen von Lesern, die sich fragen, ob man weiterhin nach Marokko reisen kann.

Die Ermordung zweier skandinavischer Touristinnen nahe Imlil im Dezember 2018 und die mediale Verarbeitung dieses Vorfalls haben ganz offensichtlich große Verunsicherung hervorgerufen. Für uns ist Marokko aber auch danach ein sicheres Reiseland.

Auch ich war erschrocken, als ich von diesem Vorkommnissen hörte und war für einen Moment in meinem Sicherheitsgefühl erschüttert. Ich war noch im Dezember selbst in Imlil gewesen und hatte mich dort willkommen, gut behütet und geborgen gefühlt und den Blick auf die schneebedeckten Gipfel, die Stille und die Freundlichkeit der Menschen genossen.

 

Aber es waren gerade auch diese frischen Eindrücke, die meine Zuversicht und mein Vertrauen die Erschütterung überwinden ließen. Schlechte Menschen gibt es überall auf der Welt, die aufgrund krankhafter und fehlgeleiteter Gedanken grausame Taten begehen. Wie oft bin ich bereits in Marokko gewesen und wie viel Herzlichkeit habe ich dort erfahren.

 

 

Das Land ist mit jeder Reise immer mehr zu einer gefühlten zweiten Heimat geworden und auch mit meinen Kindern bin ich dort stets ohne Bedenken unterwegs gewesen. Wir waren in unterschiedlichsten Teilen des Landes von Oujda im Norden bis Dakhla im Süden unterwegs und haben Marokko und seine Menschen schätzen und lieben gelernt.

 

Soweit uns Dinge negativ aufgefallen sind, hatte dies nichts mit einem Gefühl von Unsicherheit zu tun. Vielmehr sind an einigen wenigen Orten die Spuren von hohem Touristenaufkommen zu spüren gewesen. Ich habe dazu bereits einmal etwas in einem Artikel über Marrakesch geschrieben. Aber auch diese Entwicklungen sollten nicht dazu führen, diese Orte zu meiden oder sie allein an diesen wenigen Negativaspekten zu messen. Für Marrakesch zum Beispiel bedeutet dies vielmehr, dass man sich mehr Zeit nehmen sollte für die Stadt, um ihre unbeschreibliche Schönheit hinter der touristischen Fassade zu erblicken.

 

An unserer Wahrnehmung Marokkos in Bezug auf Sicherheitsfragen hat sich nichts geändert. Gerade sind wir wieder mit der ganzen Familie in Marokko unterwegs und es fühlt sich so sicher an, wie zuvor. Das heißt nicht, dass ich leichtsinnig bin oder mir keinerlei Gedanken über die Sicherheit mache. Es gibt gewisse grundsätzliche Dinge, die es schlichtweg überall auf der Welt zu bedenken gibt und daran orientiere ich mich auch in Marokko. So scheint es z.B. nirgendwo ratsam, bei Dunkelheit in abgelegenen Gegenden, in denen man sich nicht auskennt, alleine unterwegs zu sein. Auch wenn das Bauchgefühl mich hin und wieder warnt, vertraue ich stets darauf und plane anders.

Was mir aber derzeit vielmehr viel mehr Sorge bereitet, ist, dass ein ganzes Land und seine Bewohner abgestraft werden könnten für die Taten einzelner Personen. In vielen Regionen Marokkos stellt der Tourismus einen nicht unbedeutenden wirtschaftlichen Faktor da. Man kann auch ohne zu übertreiben wohl sagen, dass nicht wenige Familien in ihrer wirtschaftlichen Existenz vom Kommen der Gäste abhängig sind.

 

Die Reaktionen der marokkanischen Bevölkerung überall im Land zeigen, wie sehr man in Marokko die Tat von Imlil missbilligt und welche Erschütterung damit einhergeht. Fassungslos steht man insbesondere in der Region um Imlil diesem Vorfall gegenüber.

Angst scheint mir die falsche Reaktion auf eine solche Tat. Es ist schlichtweg falsch, den Tätern und ihren kranken Gedanken eine Bühne zu geben und sein Tun ihnen unterzuordnen. Vielmehr scheint es geboten, dem Ungeheuerlichen unseren Zusammenhalt und positive Zeichen entgegenzusetzen. Liebe ist stärker als Angst.

 

Es ist an der Zeit, sich wieder zu sortieren und nach vorne zu blicken. Marokko ist weiterhin ein sicheres Reiseland. Es wäre schade, sich das Kennenlernen dieses Landes durch unnötige Ängste selbst zu verwehren.