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Ein Wochenende in der Berber Family Lodge – Urlaub mit Familienanschluss im Hohen Atlas

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„Du fährst nach Imlil ? Nach dem, was dort passiert ist ? Doch hoffentlich nicht alleine ? Das ist doch gefährlich“. So und ähnlich fiel ganz überwiegend die Reaktion auf meinen geplanten Kurztrip in den Hohen Atlas aus.

Ja, der Mord an zwei jungen skandinavischen Touristinnen im letzten Winter, die auf bestialische Weise getötet wurden, ist keine Meldung, die man so schnell vergisst. Aber : das hätte überall passieren können. Es gilt immer und überall, aufmerksam zu bleiben und mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Man sollte der Region nicht aus Angst einen Besuch versagen. Wer das tut, der verpasst wunderbare Naturlandschaften mit spektakulären Bergpanoramen, ursprüngliche Berberdörfer und vor allem die gastfreundlichen und liebenswerten Bewohner der Region.

Mein Flug nach Marrakesch landete erst um 23 Uhr, was mit Einreisekontrolle und allen Wegen, die es zu nehmen galt, bedeutete, dass ich das Flughafengebäude erst nach Mitternacht verließ. Mohamed, mein Gastgeber und der Betreiber der Berber Family Lodge in Aguer Sioual bei Imlil, hatte es aber vollbracht, auch zu dieser Stunde noch einen Transfer für mich zu organisieren. Mit 400 Dh vom Flughafen Marrakesch in den Hohen Atlas dies auch noch zu einem mehr als fairen Preis. Als der Fahrer zur Abholung am Flughafen ankam, stellte sich heraus, dass wir uns bereits kannten. Er hatte mich im Dezember zur Tinmal Moschee und anschließend zum Flughafen nach Marrakesch gefahren.

In Aguer Sioual hielten wir neben der Moschee. Dort wurde ich von Mohamed abgeholt, der dankenswerterweise auch gleich meinen Rucksack übernahm. Ich blieb ihm dicht auf den Fersen und folgte bergan und bergab und durch kleine überdachte Gänge, bis wir vor dem Haus seiner Familie standen, wo ich die nächsten drei Nächte verbringen würde. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit brachte er mich gleich zu meinem Zimmer, das auf der Ebene der großen Terrasse des Hauses lag. Ein großes bequemes Bett und ein eigenes Bad warteten auf mich. Vor dem Schlafengehen trat ich noch kurz hinaus auf den Balkon meines Zimmers. Zwar war jetzt alles stockfinster, aber ich ahnte bereits in diesem Moment, dass der Ausblick großartig sein würde.

Und ich wurde mitnichten enttäuscht. Mein erster Blick nach dem Aufwachen ging Richtung Balkontür. Schon von meinem Bett aus hatte ich einen phänomenalen Ausblick auf die umliegende Bergwelt.

Irgendwann musste ich mich von diesem Panorama kurzzeitig trennen und stieg eine Treppe hinunter zum Frühstück. Malika, die Schwester von Mohamed, die mir während meines Aufenthaltes besonders ans Herz wachsen sollte, brachte Kaffee mit Milch, Tee und frischgepressten Orangensaft. Dazu gab es warmes Brot, Honig, Marmelade, Käse und Amlou, eine marokkanische Spezialität, die ich besonders liebe. Und dazu gab es auch noch vom Frühstückstisch aus einen Blick in die Berge.

Mohamed zeigte mir die traditionell gestaltete Terrasse des Hauses, einer von mehreren Sitzbereichen. Aber dieser ist einfach besonders schön. Gleich nach der unglaublich liebenswerten Betreiberfamilie ist diese Terrasse sicherlich das Highlight des Hauses.

Von Aguer Sioual aus kann man auf einem kleinen Pfad nach Imlil laufen. Der Fußweg dauert eigentlich etwa 30-40 Minuten. Ich brauchte an diesem Tag deutlich länger. Immer wieder war ich abgelenkt und musste innehalten und den Ausblick genießen. Der Pfad führt durch tolle Natur und man passiert unterwegs ein weiteres kleines Berberdorf. Ich traf nur wenige Menschen, die allesamt landwirtschaftlichen Betätigungen nachgingen.

In Imlil selbst gibt es viele kleine Läden und Restaurants und auch einige Gästehäuser. Wer sich auf eine Trekkingtour begeben will, findet  hier neben Leihausrüstung auch den passenden Guide für den Weg durch und auf die Berge. Ich durchstreifte die wenigen Gassen und nahm schließlich im Restaurant des Riads Imlil am Wasser Platz, um einen Salat zu essen. Danach zog es mich aber auch sogleich zurück ins wesentlich beschaulichere Aguer Sioual wo die Geräuschkulisse vom Hahn, der Kuh und Schafen bestimmt wird.

Auf meinem Balkon genoss ich erneut die Aussicht und hatte Zeit, um einige Seiten in „ Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ von Helge Timmerberg zu lesen.

Am Abend dann war ich zum Kochen verabredet. Im Erdgeschoß des Hauses wurde ich von Malika und ihrer und Mohameds Mama Khadija in Empfang genommen. Nach einem kurzen Umstyling durfte ich an einem niedrigen Tisch in der Küche Platz nehmen. Malika und ich säuberten und schnitten das Gemüse und schichteten es in den unteren Teil der Tajine  und gaben Gewürze hinzu, während Khadija sich um die Suppe kümmerte, die es vorweg geben sollte. Die Stimmung war ausgelassen. Mit Malika sprach ich Französisch. Sie dolmetschte auch zwischen Khadija und mir. Für das nächste Mal nahm ich mir vor, einige Worte der Berbersprache zu erlernen.

Wir gingen anschließend nach draußen, vor die Haustür und machten ein Feuer für die Tajine. So stand ich also an diesem Tag mit einem Blasebalg in den Händen in einem Berberdorf im Hohen Atlas und bemühte mich um das Feuer.

Während die Tajine im Werden war, durfte ich im Salon der Familie Tee zubereiten. Khadija knackte mit einem großen Stein Walnüsse, die wir dazu aßen. Irgendwann gesellte sich für einige Zeit auch Mohameds und Malikas Vater zu uns. Später kamen noch einige Nachbarinnen vorbei. Obwohl ich vieles nicht verstand fühlte ich mich sehr wohl und gut aufgehoben in dieser Runde.

Das Essen, das ich bei Kerzenlicht im Salon einnehmen durfte, schmeckte wunderbar. Es war viel zu viel für mich alleine, aber so unglaublich lecker.

Satt und zufrieden ging ich an diesem Tag früh schlafen, natürlich nicht, ohne zuvor noch einmal e meinen Blick über die umliegenden Berge schweifen zu lassen. Die Bergluft und das Geblöke der Schafe unter meinem Fenster sorgten für baldigen und festen Schlaf.

Am nächsten Tag hatte ich eigentlich eine größere Tour geplant, doch dann beschloss ich, es ruhig angehen zu lassen. Ohne bestimmtes Ziel lief ich im Laufe des Tages durch die nähere Umgebung und landete schließlich unterhalb des Ortes in einem wunderbaren Café am Wasser. Ich war umgeben von marokkanischen Familien, die mit ihren Kindern einen Sonntagsausflug machen. Die Kinder tollten im kühlen Wasser und hatten riesigen Spaß. Es war eine Freude, ihnen zuzuschauen. Ich hatte mich mit einer großen Kanne Tee und einem Buch an einem Tisch direkt am Wasser niedergelassen. Später wurde ich von einer Familie aus Marrakesch zum Essen eingeladen. Ein Imam mit seiner Frau und seinen drei Kindern, von denen das Kleinste noch im Krabbelalter war. Im Schatten am Fluss  unterhielten wir uns lange, während die großen Kinder spielten und sehr schnell waren einige Stunden vorbei.

Am Abend durfte ich ein weiteres schmackhaftes Essen im Salon von Mohameds Familie genießen. Bereits am Morgen hatte ich seine Frau kennengelernt und an diesem Tag lernte ich dann auch seine süßen beiden Töchter kennen. Es war  ein wenig schade, dass ich ohne Felicia unterwegs war, da die beiden in ihrem Alter waren und sie zu dritt bestimmt viel Spaß gehabt hätten.

Am letzten Morgen hieß es früh aufstehen, da ich bereits um 7.00 Uhr zurück nach Marrakesch zum Flughafen fahren musste. Ich war am Abend gefragt worden, ob ich noch einen Tee vor Abfahrt trinke und hatte dies bejaht. Als ich um 6.30 Uhr nach unten kam bekam ich dann aber tatsächlich noch ein komplettes Frühstück. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Abschied fiel mir schwer. Die Familie war mir in der kurzen Zeit schnell ans Herz gewachsen.  Ich würde wiederkommen, das war mir bereits in diesem Moment klar.

Schweren Herzens folgte ich Mohamed zurück zum Platz an der Moschee wo bereits mein Transfer zum Flughafen und ein bekanntes Gesicht auf mich warteten.

Ich danke Mohamed und seiner Familie von ganzem Herzen für diese wunderbare Auszeit in ihrem Hause.

Alle Informationen zur Berber Family Lodge könnt ihr hier finden.

Offenlegung: Transfer von und nach Aguer Sioual sowie meine Abendessen habe ich selbst bezahlt. Das Zimmer wurde mir für drei Nächte kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.