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Hotel Continental – wie die alternde Grande Dame Tangers unsere Herzen eroberte

Wir schreiben den 12. November 2019, als wir mit der Fähre von Tarifa im Süden Spaniens nach Tanger Ville übersetzen. Die Einreiseformalitäten werden bereits an Bord abgewickelt und –anders als mittlerweile an den marokkanischen Flughäfen- ist auch noch ein Einreiseformular auszufüllen. Darin ist auch eine Adresse in Marokko anzugeben. Wir haben keine Unterkunft in Tanger vorgebucht.

Und wie ich, mit einer wegen des Seegangs sehr blassen Felicia an der Hand und -wegen aufsteigender Übelkeit- selbst um Haltung bemüht, das Formular ausfülle,  setze ich an diesem Punkt ohne weiteres Nachdenken das Hotel Continental ein. Als Tanger in Sicht kommt, freue ich mich unendlich. Dies nicht nur, weil wir zurück in unser geliebtes Marokko kehren, sondern auch, weil dies bedeutet,  in Kürze wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Schon vom Hafen aus ist das Hotel Continental zu erblicken und so beschließe ich, meinen Eintrag an Bord als eine Art Zeichen zu sehen und wir begeben uns mit einem Taxi zum Hotel. An und für sich ist diese Strecke durchaus zu Fuß zu bewältigen, aber der Rucksack für unsere vierwöchige Reise und die Tasche mit den Büchern wiegen schwer und mein Magen ist auch noch dabei , zu realisieren, dass ich wieder auf Festland wandele.

Am Hotel abgesetzt begeben wir uns über den Parkplatz und die Terrasse mit der wunderbaren Aussicht zur Rezeption. Das Zimmer mit Frühstück wird uns für 500 Dh pro Nacht offeriert und ich frage nach einem Zimmer im „alten Stil“. Der Rezeptionist weist mich darauf hin, dass es dem Grunde nach entweder grandiosen Meerblick oder antikes Dekor gibt. In Ansehung meines ratlosen Gesichtsausdrucks überreicht er mir zwei Zimmerschlüssel- einen für ein Zimmer mit Aussicht und einen für ein Zimmer mit antikem Dekor. Ich beschließe, dass Felicia die Entscheidung treffen darf. So begeben wir uns zunächst in den zweiten Stock in das Zimmer mit Aussicht. Danach geht es eine Etage weiter nach oben in den dritten Stock.

Bei Betreten des Zimmers ist bei Felicia die Entscheidung gefallen. Sie will das Zimmer mit dem „Prinzessinnenbett“.  Ich freue mich, da es auch mein Favorit ist. Ein Blick aus dem Fenster offenbart zudem, dass man auch von diesem Zimmer aus das Meer sehen kann, wenngleich es auch eher „seitlicher Meerblick“ ist. Während Felicia beginnt, sich häuslich einzurichten, trage ich den Schlüssel des anderen Zimmers an die Rezeption zurück und dort scheint man nicht sonderlich erstaunt über unsere Wahl. Ich kündige an, dass wir zwei Nächte bleiben werden. Später werden wir unseren Aufenthalt um eine weitere Nacht verlängern, aus der wahrscheinlich noch mehr Nächte geworden wären, wenn wir nicht nach Fès hätten weiterreisen müssen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Felicia gefällt nicht nur das Bett.  Auch der riesige Schrank, in dem man das  Gepäck für einen mehrmonatigen Aufenthalt locker verstauen könnte, hat es ihr angetan. Zu unserem Zimmer gehört ein großes Badezimmer mit Wanne.

Ein erster Rundgang durch das Haus zeigt, dass es viele wunderbare Details zu entdecken gibt. Es fühlt sich gut an, hier zu sein. Das Haus gleicht einer alten mondänen Dame, die schon unter dem  ein oder andere Altersgebrechen leidet, aber gleichwohl eine durch und durch elegante Erscheinung  geblieben ist. Ich mag diese Orte, die mit reichlich Patina versehen an alte Zeiten erinnern. Auf unserer Entdeckungstour treffen wir auf allerlei Mitarbeiter des Hauses, die durchweg sehr freundlich sind.

Ein Highlight des Hotels sind der Frühstücksraum und der Bereich davor, der an Prächtigkeit nur schwer zu überbieten ist. Angesichts des üppigen, aber eleganten Dekors wähnt man sich in einem Palast. Bei schönem Wetter können die Gäste das Frühstück mit Blick auf das Wasser und den Hafen einnehmen. Es fällt schwer, sich zwischen dem wunderbaren Innenbereich und der sich bietenden Aussicht zu entscheiden.

Das 1870 eröffnete Haus beherbergte in der Vergangenheit zahlreiche Berühmtheiten wie z.B. Degas, Churchill oder Bogart. Szenen für den Film „Der Himmel über der Wüste“ , dem der gleichnamige Roman von Paul Bowles zugrunde liegt, wurden im Restaurant des Hauses gedreht.

Neben reizvollen architektonischen Details beherbergt das Hotel einen Antiquitätenladen, in dem es allerlei zu entdecken gibt.

Die Lage in der Nähe vom Hafen und dem  Petit Socco ist perfekt. Auch das Kasbahviertel hat man schnell zu Fuß erreicht.

Ich merke in den Tagen nach unserer Abreise, dass ich mich Hals über Kopf in das Hotel verliebt habe und das ich mehr über das Haus und seine Geschichte erfahren möchte. Aus diesem Grunde werden wir baldmöglichst ins Hotel Continental zurückkehren.

Uns hat das historische Hotel über dem Hafen Tangers in ganzer Linie überzeugt. Es gibt hier und da kleine Mängel, die aber nichts am positiven Gesamteindruck zu ändern vermochten. Schön, dass wir jetzt auch in Tanger einen Herzensort haben.